Die Ritterinnen und Ritter der Tafelrunde

Ritterinnen und Ritter der Tafelrunde, ja das sind wir! Ich, Mila die Verwegene, Bezwinger von Gramus dem gnadenlos Garstigen, Mardok dem monströsen Meuchelmörder, Zähmerin von Mistralia, der Königin der Sturmpferde, werde euch von unserer tapferen Heldentruppe erzählen. Ich kann von mir sagen, dass ich schon wahrhaft fantastische und gefährliche Abenteuer überstanden habe, doch finden sich noch tapfere Kämpfer und Kämpferinnen in unseren Reihen. Ulf der Ulfige von Ulfstein zum Beispiel. Wenn er nicht gerade Trollen den Kopf einschlägt oder aus dem Fell von feuerspuckendenTeufelshunden sich einen Mantel schneidert, dann kann man ihn in der Innenstadt antreffen. Papa hat gesagt, dass Ulf sich dort jeden Tag mit den Leuten herumschlagen muss. Jeden Tag kämpfen, das wäre selbst für mich zu viel. Mama hat jedoch gesagt, dass er gar nicht kämpft, sondern am Betteln ist. Aber das glaube ich ihr nicht. Ulf ist ein Krieger. Krieger betteln nicht! Krieger nehmen sich was sie wollen…sofern sie dafür nicht ins Gefängnis müssen. Dann gibt es da die Frau Reinhardt mit ihren zwei kleinen Kindern. Eine noble Dame, die nicht zu jedem unserer Treffen erscheint. Manchmal scheint es, als ob sie auf uns niederblickt. Warum weiß ich nicht, denn hier, in dieser Tafelrunde, sind wir alle gleich. Wer hier mit uns speist, ist Teil einer Gemeinschaft, auch wenn er oder sie dies nicht wahrhaben will. Wir dulden daher Frau Reinhardt, jedoch muss sie sich noch beweisen, sich ihre Anerkennung verdienen. Das Bezwingen eines zweiköpfigen Pestilenzius wäre ein Anfang…
Das Rückgrat unserer Gemeinschaft bildet die Ewige Elli. Sie heißt eigentlich gar nicht Elli, sondern Eleonore, aber sie besteht darauf, dass wir sie Elli nennen. Elli ist unsere große Weise, die Hüterin der Geheimnisse, die graue Königin, welche ihre Gegner einst mit mächtigen Zaubersprüchen in die Knie zwang. An sie können sich all jene wenden, welche einen guten Rat brauchen oder einer spannenden Geschichte lauschen wollen. Sie hat in ihrer Jugend Drachen erlegt, schreckliche Schlachten überlebt und war für kurze Zeit sogar die Königin eines Landes fern im Norden, doch machte ihr dies keinen Spaß, weswegen sie von der Burg ihres königlichen Gatten floh. Doch jetzt ist sie alt geworden und verlässt ihr Haus nur noch selten, meistens nur wegen unserer Tafelrunde. Sie isst am liebsten Nudelsuppe mit viel Hühnerfleisch.
„Das macht stark wie zehn Bären“, hat sie zu mir mal gesagt. Seither ist es auch mein Lieblingsgericht.

Lars der Löwe saß heute auch mal wieder an unserem großen Tisch. Er arbeitet sonst tagsüber immer in einer Plastikfabrik. Nachts wird er jedoch zum Helden und bekämpft Bettmonster, Flederdrachen und anderes übles Getier, das die Menschen im Schlaf plagt. Lars liebt Buttertoast mit Ei. Er behauptet, dass er dazu ein ganzes Fass Bier trinken könnte, aber Alkohol ist in unserer Tafelrunde verboten. Es gab zu viel Streit mit Betrunkenen in der Vergangenheit. Fast alle halten sich daran. Diejenigen, die es nicht tun, werden hart bestraft von unserem Heldengericht, das von Richterin Ulrike, einer Nonne, geleitet wird, welche auch die Speisen verteilt. Ja, keine Gnade den Missetätern! Die neuesten Helden, welche es zu uns verschlagen hat, sind Novak der Neunfingrige und sein Sohn Janusz, der sich noch keinen Titel verdient hat. Die Mutter von Janusz lebt leider nicht mehr. Janusz hat gesagt, dass sie von einem fiesen Monster verschlungen wurde, während sie es zu Fall bringen wollte. Manchmal ist Janusz deswegen traurig und weint. Er will nicht, dass irgendjemand das mitbekommt, aber man sieht es immer gleich an seinen roten Augen. Wenn Elli das sieht, dann geht sie immer zu ihm und redet ein bisschen mit ihm. Danach fühlt er sich meistens besser. Ritter und Ritterinnen allen Alters müssen eben zusammenhalten im immerwährenden Kampf gegen das Böse!

Ich hätte fast Herr Niedermeier, oder wie wir ihn nennen: Patrick der Phantastische, vergessen. Er ist unser Barde und ein superfröhlicher Mann, der immer ein Liedchen vor sich hersummt. Mit seiner Gitarre bringt er Stimmung in unsere Runde und für kurze Zeit alle zum Strahlen. Ansonsten spielt er neben der Pferdestatue auf dem Schillerplatz und hat einen schwarzen Filzhut vor sich liegen, in den die Leute Geld reinwerfen, wenn ihnen seine Lieder gefallen. Meistens ist er ein wenig angetrunken oder „auf etwas anderem“, wie Mama es sagt. Patrick hat anscheinend die Tochter eines reichen Händlers durch sein Gitarrenspiel so betört, dass sie ihn heiraten wollte, aber ihr Vater, ein unfassbar mächtiger und böser Mann, hat das nicht zugelassen und Patrick fortgejagt. Jetzt spielt er für uns und wir mögen ihn alle sehr.

Heute gab es Linsensuppe mit kleinen Würstchen und etwas Brot. Ich mag Linsen nicht so sehr, aber die Würstchen waren ultralecker. Lars der Löwe hat von seiner Kindheit erzählt. Früher war er kein Ritter gewesen, sondern hat mit seinen Eltern in einem kleinen Haus am Wald gelebt. In der Nähe gab es anscheinend einen Fluss, in dem meterlange Aale umherschwammen und in dem er trotz dieser Gefahr geangelt hat. Ich weiß nicht wie Aale aussehen, aber laut Patrick sind es furchterregende, schleimige Schlangen, die Gift spucken und unvorsichtige Abenteurer im Bruchteil einer Sekunde in das Wasser zerren können, um sie dort aufzufressen. Grässlich! Lars Eltern sind leider bei einem Verkehrsunfall gestorben, als er neun war. Ab da wurde die Geschichte traurig und die anderen Leute haben ihm nicht mehr zugehört. Papa ist dann zu ihm rübergegangen und hat ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Daraufhin hat Lars aufgehört zu erzählen und kein Wort mehr gesprochen. Zum Nachtisch gab es Obstsalat mit Sahne. Er war sehr, sehr lecker! Bevor sich unserer Runde aufgelöst hat, hat Patrick der Phantastische noch ein paar Lieder gespielt und wir haben zusammen gesungen und gelacht.

Mama, Papa und ich sind schon lange Mitglieder der Tafelrunde. Manchmal ist das schön, manchmal nicht. Aber echte Helden geben nicht auf! Echte Helden lassen die Zukunft auf sich zukommen und machen das Beste daraus! Mila die Verwegene lässt sich niemals unterkriegen!

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