Licht durch Grau

In dem großen Buchgebäude,
saß ich stumm an einem Tisch,
Lernen schuf mir keine Freude,
so war mein Geist schon nicht mehr frisch.

Statt dem Lernen schrieb ich wieder,
schweifte ab und tauchte ein,
im Kopfe klangen Kinderlieder,
die kleine Ente* wollte heim.

Doch auch das Schreiben hielt nicht lang,
denn SIE trat in den stillen Raum,
süßer Glocken Schillerklang,
vor Anmut konnt ich atmen kaum.

Du Fremde mit den zarten Wangen,
du sommerschönes Frauenglück,
erwecktest mir den Götterglauben,
verzücktest mich mit deinem Blick.

Ein Wesen wie aus einer Sage,
zerwühlte mir die Herzensruh,
schüchtern wie ein junger Knabe,
sah ich dir ganz verstohlen zu.

Du suchtest einen Platz,
im gutgefüllten Raum,
und wie es sich ergab,
war wie in einem Traum.

Denn neben mir ward Leere,
der Stuhl vereinsamt stand,
und du mit deiner Hehre,
hast ihn für dich erkannt.

Zu einem Eisblock wurde ich,
der Puls hinauf, die Backen rot,
mit Frauen ist´s mir fürchterlich,
die Schüchternheit, welch schwere Not.

Nun saßt du dort, gleich neben mir,
und machtest dich bereit,
mit Buch und Stift und viel Papier,
in deinem schönen Kleid.

Doch lange hielt dein Eifer nicht,
gar trocken war der Schmöker wohl,
ein Schnaufen war das Schiedsgericht,
„Ich weiß nicht, was das Ganze soll?“

Ich lächelte und kommentierte,
der Beistand tat dir sichtlich gut,
und deine Worte wie Gesang,
verschlangen meinen ganzen Mut.

„Mittags ist mein Tief“,
sprachst du und gabst den Kampf dann auf,
auf des Tisches Platte schief,
legtest du dein Köpflein drauf.

Zu die Augen, ruhiger Atem,
mir blieb das Herz fast stehen,
was Schöneres im ganzen Leben,
hab ich noch nie gesehen.

Und alles woran ich nun dachte,
was mich ganz weich und wirre machte:

Auf dieser Welt kann es nichts Höheres geben,
als an der Seite dieser Frau,
die Tage zu erleben,
ja neben ihr zu erwachen,
sie glücklich zu sehen,
mit ihr zusammen lachen,
zweisam durchs Leben gehen.

Eine Stunde voll im Glücke,
saß ich dort und schrieb nicht viel,
lernte nichts und träumte nur,
genoss das warme Hochgefühl.

Dann rief jedoch die Uhr zur Eile,
heimwärts musste ich nun streben,
ach, könnte man die Zeit einfrieren,
und solches Glück für ewig leben.

Ein letzter Blick, ein leises Tschüss,
dann war ich schon entflogen,
und schnaufte durch, ja kam zum Sinn,
der Herrlichkeit enthoben.

Ich nahm mir vor: Beim nächsten Mal,
da wirst du etwas sagen,
denn meines Herzens sanfte Qual,
will ich nicht mehr ertragen.

Dieser Lerntag war nicht fruchtbar,
war mein Geist doch höchst zerstreut,
doch jene Müßiggängerstunden,
hab ich zu keiner Zeit bereut.

__________

* Eine Kindergeschichte an der ich gerade arbeite

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