Gemeinsam einsam

Wer liegt da neben mir?
Eine Fremde bist du geworden,
ich drehe mich weg und denke an morgen,
und schaue zur Tür.

Aufstehen, durchgehen, nicht umdrehen,
weg von all dem was mich hält,
raus in die „große, weite“ Welt,
hin zu einem Versehen.

Wer liegt da neben mir?
Eine Fremde bist du geworden,
ich drehe mich hin und denke an morgen,
und schaue zu dir.

Gelacht, geweint, gemeinsam,
wir haben viel erlebt,
dann uns im Kreis gedreht,
sind nun gemeinsam einsam.

Geht es dir ebenso?
Ich trau mich nicht zu fragen,
mich an die Folgen zu wagen,
doch werd ich so nicht froh.

 

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Das Loch

Die Alten jammern und behaupten, dass es seit ihrer Jugend größer geworden ist, aber ich halte von diesem Gerede nichts. Die jammern bloß, damit sie was zum Jammern haben. Naja, egal. Jedenfalls lagen letzte Woche wieder zwei drin. Ein Mädchen, noch zu jung zum Rauchen, und ein Rentner aus dem Sozialbau, Typ Kornfrühstück. Schade um die Kleine. Ich kannte sie nicht, sie soll aber anscheinend nett gewesen sein. Über die Jahre haben sie Menschen aller Formen, Farben und Altersstufen aus dem Loch gekratzt. Eine Schande ist das, eine Schande.

Als sie das Mädchen und den Alten nach oben hievten, da sah die halbe Stadt geierhaft zu. Nachdem die Türen von den Leichenwagen zuschlugen, zerstreute sich die Masse gleich wieder. So ganz nebenbei, so geisterhaft, wie Wasser durch die Erde sickert. Plötzlich sind sie alle da und rempeln und drücken und vermuten und streiten und dann sind sie plötzlich wieder weg, wie Wasser.

Schon einige Male wollten die Verantwortlichen das Loch zuschütten, aber es blieb stets nur bei vielen Wörtern und halbherzigen Versuchen. Am Ende kümmerte es dann doch niemanden genug und das Loch starrt bis heute mit seinem drohenden, schwarzen Auge in den Himmel. Wissen Sie, jeden Tag stehen einige Leute an der Kante von dem Ding. Sie blicken runter in den dunklen Schlund, setzen sich hin, lassen ihre Beine in die Tiefe baumeln. Komische Menschen. Ich bin noch nie da gestanden, ist mir unheimlich. Man könnte nun annehmen, dass sich dieser Abgrund irgendwo am Stadtrand befindet, irgendwo in den siechenden Vororten im Süden, auf dem ehemaligen Fabrikgelände; das in der Nähe der Autobahn, aber dem ist keinesfalls so. Nene, stattdessen liegt es relativ mittig, ja bildet, wenn man es von oben betrachtet, fast das Zentrum dieser Stadt. Ein eigenartiger Umstand, wenn man so darüber nachdenkt. Irgendwie ist mir dabei nicht wohl.

Es existiert schon lange, länger als ich lebe, länger als meine Alten – Gott hab sie selig – gelebt haben. Wie lange genau? Puh, vielleicht schon immer. Keine Ahnung. Kluge Köpfe mit zu viel Zeit haben anscheinend darüber auch schon Bücher geschrieben, Tests gemacht und so. Keine Ahnung was da bei rausgekommen ist. Ich weiß nur, dass es auch anderswo diese Löcher gibt, nicht nur bei uns. Naja, aber im Grunde ist mir das alles egal. Sollen die Deppen doch da reinhüpfen, wenn sie denken sie müssten. Solange ich nicht irgendwann im Suff aus Versehen über die Kante tapse und mir das Genick breche, ist mir das Drecksloch egal.

Winterreise

Eine kurze Traumreise, die ich für eine erste Klasse geschrieben habe. Dazu dunkelte ich den Raum etwas ab und ließ die Kinder es sich bequem machen.

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Du atmest tief ein und machst die Augen zu. Es ist völlig still um dich herum. Du stehst im Freien auf einer vollgeschneiten Wiese. Alles ist weiß, puderzuckerweiß. Die Sonne scheint und der glitzernde Schnee reicht dir fast bis an die Knie. Der Himmel ist tiefblau und nur ein paar kleine Wolkenschafe spielen auf ihm herum. Du hörst nichts außer deinem eigenen Atem und das Knistern des Schnees. Die Tiere tragen ihr dickes Winterfell und du deine dicke Winterjacke, deine Mütze und deine Handschuhe. Wegen ihnen und wegen der Sonne ist dir ganz warm. Du läufst los und bei jedem Schritt knirscht der Schnee laut unter deinen Füßen. An manchen Stellen ist es sehr rutschig, da sich kleine Eisflächen unter dem Schnee verbergen. Du bist daher vorsichtig, damit du nicht auf deinen Hintern plumpst. Ein leichter Wind weht dir ins Gesicht. Vor dir siehst du ein paar große Tannen. Auf ihren Ästen liegt Schnee und bei jedem Windstoß rieselt ein bisschen davon zu Boden. Du gehst auf die Tannen zu, denn du hast etwas entdeckt. Etwas großes Rotes, das unter einem der Bäume steht. Eine große Kiste, so rot wie deine Nase und deine Wangen. Du gehst langsam auf die Kiste zu. Hinter dir sieht man deine Fußabdrücke im Schnee. Jetzt siehst du die Kiste schon besser. Sie ist aus dunkelbraunem Holz und hat ein kleines, goldenes Schloss. Du bleibst vor ihr stehen und ziehst deine Handschuhe aus. Dann greifst du in deine Hosentasche und holst einen Schlüssel heraus. Einen goldenen Schlüssel. Du beugst dich nach vorne und steckst ihn in das Schloss. Klick. Es geht auf. Das Schloss fällt auf den Boden in den Schnee und du öffnest vorsichtig die Kiste. Was ist darin? Ein Licht strahlt dir entgegen. Du greifst in die Kiste und spürst etwas in deiner Hand. Es ist ganz glatt und kühl. Du holst es heraus und siehe da….es ist eine Kugel aus purem Eis. Sie schimmert im Sonnenlicht und hat einen schwarzen Kern. Du schaust sie neugierig an, drehst sie in deinen Händen und plötzlich hörst du eine tiefe Stimme. Die Kugel sagt: „Ich bin die Kugel des Winters. Ich bin das ewige Eis, welches den Herbst vertreibt und welches vor dem Frühling flieht. Schau dich um und bestaune mein Werk!“

Und mit diesen Worten löst sich die Kugel aus deiner Hand und schwebt in die Luft. Sie bleibt noch ein paar Sekunden über dir stehen und summt, dann fliegt sie hinfort in den Himmel. Du schaust ihr hinterher, bis sie verschwunden ist. Du atmest noch einmal tief die kalte Winterluft ein und dir ist ganz warm. Langsam, ja ganz langsam öffnest du deine Augen und stellst fest, dass du wieder in der Klasse/ zu Hause/ auf der Arbeit bist.


 

Bevor man jemandem die Geschichte vorliest, empfehle ich, dass man sie zuvor zwei-drei mal langsam laut liest, um ein Gefühl für die Geschwindigkeit der Geschichte und etwaige Pausen zu entwickeln. Ein Beispiel wäre eine Pause nach „Was ist darin?……“, um Spannung aufzubauen und Gedankenbilder entstehen zu lassen.

An dieser Stelle wünsche ich Euch allen schonmal einen guten Rutsch und einen guten Start in das neue Jahr : ).

Liebe Grüße,
Max

Weiter gehts

So, die Hausarbeit ist überstanden und nun kann ich mich bis Februar wieder Euch und meinen Gedanken zuwenden. Liebe Grüße, Max

Zwei aufgeschnappte Kleinigkeiten

1: Ein älterer Herr im Bus spricht zu seinem ebenso rüstigen Freund:

„Ja weisch, mir werde ebbe alt. Nieresteine, Wasser in de Beine….ich brauch nur noch Sand, dann kann ich anfange mit baue!

 

2: Aus dem Mund einer Vierjährigen

Sie: „Guck, guck, guck mal da! Da ooooben!“

Ich: „Wo denn?“

Sie: „Ja daaa drüben!“ – sie zeigt mit dem Finger auf eine Rotbuche, in der ein großer Raubvogel sitzt.  „Ein Mäusebastard, ein Mäusebastard!“

Hoffen

Alles an dir ist zu gut für diese Welt. Am liebsten würde ich laut rufen:
„Schaut alle her! Schaut her, wie sich ihr zarter Mund zu einem Lächeln verzieht! Wie sie über die Erde gleitet, elegant wie ein Sommerwind.“
Ich sehe dies und bin getroffen, erstarre zu Stein, zerspringe fast. Meine Sinne sind getrübt, denn wie eine Droge wirkt der Duft deiner Haare auf mich, wenn wir uns einer freundschaftlichen Begrüßung wegen umarmen. Welche Gnade würde mir zu Teil, wenn ich doch einmal deine edelweiche Haut mit einem Kuss benetzen dürfte. Berührst du mich, steht die Zeit kurz still, ja sie wagt es nicht weiter fortzuschreiten, weiß sie doch von dem Zorn der ihr blüht, wenn sie diesen Moment zu schnell verstreichen lässt. Mich treibt der Wunsch an deiner Seite zu gehen, die Freuden des Lebens mit dir zu teilen und mich zu bemühen, damit du glücklich bist. In stiller Erwartung werde ich solange das Leben es mir ermöglicht in deiner Nähe bleiben, auch wenn du gerade einen anderen Mann mit deiner Liebe beehrst. Es ist schwierig ihn nicht  zu hassen, ihn, der dich zum Lachen bringt. Dann die Frage: Könnte ich das erreichen? Könnte ich dich glücklich machen?  Ja, Nein und wieder Ja, vielleicht, wobei, Ja! Es ist verzwickt. Eine Trennung, ein Unglück, könnte zu unserem Glück führen. Er soll dich schlagen, damit wir ihn zusammen hassen können. Halt, nein! Was denke ich denn da…was fördert mein ins Wirbeln geratene Herz da bloß zu Tage? Die Hoffnung vergiftet mir das Denken und ist doch derzeit das Einzige im Leben, was mir Halt gibt. Vielleicht wäre es für mich gesünder nicht mehr zu hoffen, dich abzulegen, wie einen Mantel, der mich lange Zeit gut begleitet hat und nun schwer wurde, schrecklich schwer.

Schlaflos

Sie, dieses schnarchende Geschöpf mit den zerzausten Haaren, das mich mit aller Vehemenz aus dem Bett zu drücken versucht, indem sie mir ihren warmen Hintern in meinen Rücken rammt. Schon hat sie die Decke für sich beansprucht, weshalb ich jämmerlichst friere und dem Sonnenaufgang und dem Klingeln des Weckers entgegensehne. Was ich mir in diesem Moment jedoch am meisten wünsche, ist, dass all diese Phantasien real wären. So bleibt die eine Seite meines Bettes kalt und still, mein Rücken verschont und die Decke in meinem Besitz. Ich stehe auf, gehe ans Fenster und schaue der Welt beim Erwachen zu.

Vom Verliebtsein

Da ich bis übernächsten Mittwoch noch an einer Hausarbeit sitze und mein Kopf daher zum Platzen voll mit dementsprechenden Gedanken gefüllt ist, werde ich bis dahin einige ältere Texte wiederaufleben lassen.

Liebe Grüße, Max

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Vom Verliebtsein

Schüchtern sitzt er neben ihr am Beckenrand, lässt die Beine ins kühle, azurblaue Wasser baumeln und überlegt was er als Nächstes sagen könnte. Krampfhaft grübelt er und schaut ihr derweil zu, wie sie mit ihrer besten Freundin, die im Wasser treibt, über das letzte Wochenende quatscht. Ab und an schaut sie herüber und er lächelt, doch in Wirklichkeit gilt sein Blick den Wassertropfen die langsam in ihren Ausschnitt rinnen und das gelobte Land unter ihrem Bikini benetzen. Er hat zwar schon unzählige Male Brüste im TV, oder im Internet gesehen, dies ist jedoch etwas gänzlich anderes, denn schon alleine bei dem Gedanken an ihre Brüste wird ihm warm und es entstehen weitere Bilder in seinem Kopf. Seit zwei Wochen geht das so. Nachts liegt er wach, findet keinen Schlaf und stellt sich vor, wie sie zusammen Eis essen gehen und sie neben ihm im Bett liegt, dicht an ihn gekuschelt, nicht mehr. Seine Freunde raten ihm, sich von ihr fernzuhalten, doch für ihn gibt es keine Zweifel. Sie ist dieses eine Mädchen, für das sich alles lohnt. Jede Mühe, jedes Leid könnte man schultern, wenn man wüsste, dass SIE auf einen wartet. Er würde sie am liebsten umarmen und nicht mehr loslassen, unendlich vereint. Ihre Wärme spüren, ihren Duft genießen, dieser himmlische Duft, der jedes Parfum tausendfach aussticht.

„Hey, alles klar bei dir?“, fragt eine besorgte Stimme.

„Äh was? Ja, ja! Ich musste nur gerade an etwas denken“, antwortet er verlegen und kratzt sich am Hals. Die Schamesröte lässt nicht lange auf sich warten und die beiden Mädchen fangen an zu kichern.

„Lukas, wir gehen mal rüber in das andere Gebäude, da gibt´s son Wellenbecken. Kommst du mit?“, fragt ihre Freundin und klettert aus dem Becken. Auch ihr rinnen Wassertropfen am Körper entlang, doch ist dies lang nicht so faszinierend anzuschauen, wie bei ihr. Bei ihr ist einfach alles schöner.

Er nickt und steht auf. Sofort fangen beide Mädchen an zu lachen und zu prusten und er weiß gar nicht wie ihm geschieht. Sie besinnt sich jedoch, tritt nah an ihn heran und flüstert ihm ins Ohr: „Zieh nächstes Mal lieber nicht so eine enge Badehose an.“
Sie deutet mit ihren Augen nach unten und er folgt mit den seinen, nur um auf sein steifes Glied zu blicken, das eine schöne, große Beule in seiner Badehose geformt hat, die nicht zu übersehen ist. Schock, Panik, Angst. Er weiß nicht was er sagen soll und steht mit offenem Mund vor ihr, würde am liebsten wegrennen, sich verkriechen und nie mehr ans Tageslicht kommen. Doch sie blickt ihm in die Augen, lächelt und gibt ihm ihr Handtuch, welches sie an Beckenrand gelegt hatte. „ Du kannst es behalten. Bring es mir einfach mal vorbei, vielleicht können wir dann auch mal zu zweit etwas machen“, sagt sie und zwinkert, dann dreht sie sich um, nimmt ihre Freundin bei der Hand und beginnt mit ihr zu tuscheln. Das Handtuch ist nass, voll Wassertropfen die ihren Körper liebkosen durften und es duftet. Es duftet so herrlich.