Das Gedicht vom Zauberer, der nicht allmächtig war

Es kam einst Zauberer zu einem alten Mann,
und fragte ihn, ob er ihm helfen kann,
doch der Alte sagte nein,
bitte lass mich einfach sein,
und dann sprang er in den Fluss,
und dies war des Alten Schluss,
da der Zauberer erkannte, dass er nicht jedem helfen kann,
und schon gar nicht so einem alten und so lebensmüden Mann.

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Aus der Reserve gelockt

Welch eine Märchenfigur da vor mir steht,
mich ansieht, lächelt und dann vorübergeht,
mit ihrem stolzen Dasein die Sinne verdreht,
ein Blick, dein Blick und alles war zu spät,
für diesen besorgten, bedachten Chaoten,
der es stets vorzog jedes Wenn und Aber in aller Tiefe auszuloten,
sich verkapselte, versteckte vor ehrlicher Offenheit,
die leichteste Lösung als Schutz vor jeglicher Verletzlichkeit,
wie selbstverständlich hast du mich ergriffen,
mein Herz mit deinen Lippen, deinen Augen, deiner Seele an dich gerissen,
und nun sitze ich hier und sehe dir zu,
wie du im Garten wandelst in samstäglicher Ruh,
den Lavendel sanft mit deinen Fingern berührst,
das feuchtkühle Gras an deinen Fußsohlen spürst,
mich mit jeder Sekunde deiner Anwesenheit verführst.

Du siehst meine Blicke, kommst zurück und liest diese Gedanken,
du küsst mich in den Nacken, auf die Wange, auf die Lippen,
dass mir alle Sinne schwanken,
selbst jetzt, nach all den Jahren, bekomme ich noch eine Gänsehaut,
und ich weiß, unser Wir ist auf Vertrauen gebaut,
die Vorstellung dich für immer bei mir zu haben,
lässt alles Weltliche erblassen, fegt hinfort alle Klagen.

Du hast einen Träumer erschaffen, hast den Zweifler bekehrt,
mich mit Vertrauen und Geduld das Lieben gelehrt,
diese Worte sind ein Geschenk an dich, ein Dankeschön,
lies sie bitte immer wieder, lass sie dir im Herzen zergehen.

 

Alltagswidrigkeiten

Es gibt so viele tolle Sachen,
die sollen uns das moderne Leben leichter machen,
entlasten und Zeit schenken,
von selbst ihren Gang lenken,
vieles davon lehnte ein junger Herr dankend ab,
und hielt sich lieber selbst mit seinen Pflichten auf Trab,
aber Staub war ihm ein widriges Gegenüber,
egal ob Saugen, egal ob Wischen,
wirklich alles machte er viel lieber,
als jene Sisyphosarbeit,
diesen Kampf ausfechten,
gegen die pudrige Vergangenheit,
und so kaufte er sich mit gutem Gewissen,
einen Roboterhelfer,
um wenigstens nicht mehr saugen zu müssen.

Per Paket kam das runde Objekt,
schnell ausgepackt und eingesteckt,
frisch aufgeladen und bereit,
für mühsame Betriebsamkeit,
flott aus der Küche kam gelaufen,
sein Hund, um am Gerät zu schnaufen,
für ungefährlich dann befunden,
durft es die Wohnung dann erkunden,
auch unter Tischen, unter Stühlen,
den Dreck in seinen Schlund reinwühlen.

Der Herr war glücklich mit dem Teil,
doch sein Glück nicht lang von Weil,
es kam ein ärgerlicher Tag,
an den er nicht mehr denken mag,
der Kühlschrank leer, Bierkasten auch,
das Kaufen war sein Samstagsbrauch,
so verließ er das Haus an jenem Morgen,
um all die Güter zu besorgen,
kam später als gewollt zurück,
vorbei war dann des Tages Glück,
schon vor der Tür roch es fatal,
der Anblick drinnen, reine Qual.

Er musste lachen und auch weinen,
dies ließ sich hierbei gut vereinen,
denn sein geliebter Hundefreund,
der hatte es nicht mehr halten können,
was dann geschah, ihr ahnt es schon,
doch will ich es beim Namen nennen,
der Apparat im Eifer fuhr,
auch durch den Kothauf seine Tour,
es folgte wilde Malerei,
mit dem verdauten Nahrungsbrei.

Bevor er an das Übel ging,
kam ihm ein Jux noch in den Sinn,
anstatt dies alles wegzuputzen,
für ein Museum es zu nutzen,
dem PVC ein Stück entnehmen,
es sorgsam aus dem Boden sägen,
und dann als Kunststück auszugeben:
„Moderne Kunst, nicht menschgemacht,
ihr Pinselvolk, nehmt euch in Acht!“,
vielleicht hätte es Geld erbracht.

Doch nichts dergleichen machte er,
und wurde nur des Wischmopps Herr,
selbst unter Stühlen, unter Tischen,
galt es die Losung aufzuwischen,
das Rumgeputze, keine Wonne,
drum kam der Helfer in die Tonne,
und seither saugt er selbst und macht,
erledigt mit der eignen Kraft,
die vielen kleinen Haushaltssachen,
und lässt sie sich nicht leichter machen.

 

Weltscheu

Ich will die Stille für mich haben, meine kleine, persönliche Stille, aber ich darf nicht. Immer ist da etwas, das sie mir nicht zu gönnen scheint. Wie der Kühlschrank, welcher kurz knackst und im Anschluss zu brummen beginnt, sein Programm im für mich unbegreiflichen Rhythmus abspult, oder das dumpfe Pochen der Nachbarsfersen über mir. Ich liege im Bett, die Decke dicht um mich geschlungen und nur meine Nase späht gelegentlich in die Zimmerluft hinaus.

Dies ist meine Höhle, nie mehr will ich sie verlassen müssen. Schwarzes, warmes Nichts. Wenn das Totsein so wäre, welch freudige Vorstellung. Völliges Umgebensein von endloser, endgültiger Geborgenheit. Ja, so darf das Totsein sein, so erlaube ich es ihm. Nur dieses sture Geatme bindet mich an die Realität. Immer mal wieder versuche ich dagegen anzukommen, halte die Luft an, verschließe die Höhle zur Urfinsternis; aus der ich kam, bis mein Körper mich überwältigt und ich japsend die Höhle öffnen muss. Nur einen kleinen Spalt, der Tag soll draußen bleiben.

Ich kann das Denken nicht gänzlich abschalten, aber wenigstens kommen mir nur Kleinigkeiten in den Sinn. Die aufgedunsenen Brotbrösel im Küchensieb, die frischen Triebe meiner Zimmerpflanze, die vielen braunen Ränder in der Tasse des langsam getrunkenen Kaffees auf dem Nachttisch neben mir. Ich will nicht denken, ich will nichts, ich will das Nichts, ich will die Stille für mich haben.

Moment der Sehnsucht

Ich sitze in meinem Boot,
und das Leben treibt mich dahin,
zu unbekannten Gewässern,
in launischer Veränderung,
zieht alles vorbei,
aber immer mal wieder,
schaue ich in deine Richtung zurück,
kann das Herz nicht zum Schweigen bringen,
mich nicht zum Nichtlieben zwingen.

Wie das Meer nicht weiß,
dass es tief ist,
weiß ich Treibender nicht,
ob ich dich vergessen kann,
vergessen will.

Alltagsnebel

Sorgen um Mieten, Versicherungen, Termine
treiben uns täglich, vernebeln den Blick
derweil in Fessenheim der Meiler bereits glüht
in heißer Erwartung alle kleinen Sorgen zu beenden
endlich auch einmal im Mittelpunkt zu stehen
einen Pfahl in die Zeit als sein Denkmal zu rammen

Ich blicke gen Süden
denke an diese Worte
neben mir ein Zettel:
12 Uhr Zahnarzttermin