Gedichtekiste Nr. 2 (Sammlung)

Von Schmerzen

In deiner Flamme ich verbrannte,

ich, der dich als Liebste nannte,

doch hat es sich dann ausgeliebt,

denn du hast nicht genug gekriegt,

gestürzt auf einen andren Prügel,

bekam ichs raus, bekam ich Flügel,

und ließ dich mit dem Kerl allein,

so unser Wir sollt nicht mehr sein.

 

„Es tut mir leid!“, hast du gesagt,

die Reue dir am Herzen nagt,

doch gibt es für mich kein Zurück,

du schwänzegeiles Hurenstück.

 

Den Schmerz ich kaum ertragen kann,

Du! Du, auf diesem fremden Mann,

ein Bild, das sich nicht löschen lässt,

selbst mit dem Schnaps, es hält sich fest,

es frisst mich auf, es macht mich krank,

die „heile Welt“, ein Traum, versank.

 

War Mann wie ein Gewittersturm,

nun kriech ich wie der ärmste Wurm.

 

War ich denn schuld? Was war der Grund?

Mein armes Herz, es ist so wund,

zurzeit ist mir noch nicht nach Reden,

ich will dir einfach nicht vergeben.

Raureif

Weiß überzuckertes Gezweig winkt mir vom Wegesrand zu

feinste Frostnadeln, Kinder des Winternebels, glitzernde Könige

erstarrte Kunst, die mit frecher Verspieltheit die nackten Zweige fest umklammert hält

 

So schön, so vergänglich.

 

Ach, könnte ich mir an euch die Finger blutig stechen

auf dass das stille Weiß vom geliebten Rot vertrieben wird

denn der Winter scheint ewig, drückt schwer aufs Gemüt

lässt mein Scherbenherz den Frühling ersehnen

 

Rubinrote Lippen, im Nebel verschwanden

und kehrten nicht wieder

 

Du fehlst

 

Drum komme nun Frühling

bring wärmere Farben und andre Gedanken

Die Jugend von heute

Ach, wie waren wir als Kinder

eifriger und viel geschwinder

rannten auf und rannten ab

hielten alle Welt auf Trab

 

Ach, die Jugend taugt nicht recht

wenn ich sie seh, wird mir ganz schlecht

mit Ei-Fon, Zwitter, Fratzenbuch

die Technik ist der Jugend Fluch

 

Uns Alte lassen sie links liegen

verstehen nichts vom Kinder kriegen

kein Bübchen, das mir Bilder malt

kein Mädchen, das mir´s Kleidchen zeigt

die Häuser, sie sind nicht bezahlt

der Tod sie erst von Schuld befreit

 

Das junge Volk es jammert gar

dass heut die Dinge anders sind

die Welt sei einfach sehr geschwind

und wir nicht durch das Dickicht sehn

in dem sie ihre Wege gehen

 

Wie Ikarus zur Sonne strebt

manch junger Mensch sich schnell verlebt

ist ausgebrannt mit dreißig schon

drei Jobs und stets nur Hungerlohn

die Arbeit wird zum Lebenssinn

wo führt der ganze Wahnsinn hin?

Der blaue Prinz

Die Liebe war sein Lebenssinn,

und als die Liebe sprach ein „Nein!“,

ließ er die Lebensfreude sein,

vergrub sein Herz im kalten Sand,

am windumgarnten Nordmeerstrand,

und gab sich hin dem nassen Tod,

sein Leib den Wellen inne wohnt,

sein Herz das unterm Sand verborgen,

ist was er sucht bis in den Morgen,

bis ihn das erste Sonnenlicht,

in tausend Stücke dann zerbricht,

der Schemen auf die Knie fällt,

sein Inneres sich blau erhellt,

sein Mund sich öffnet wie zum Schrei,

es zischt noch kurz dann ist´s vorbei,

sein Leib eins mit dem Winde wird,

er jeden Tag aufs Neue stirbt.

 

„Die Seelen sind sein Abendbrot,

er frisst sie auf in seiner Not,

und schenkt ihn dir, den nassen Tod“,

sprach einst ein weiser blinder Mann,

doch Übermut nicht bremsen kann,

der Jugend heißer Stürmerdrang.

 

So kam es dass ein junger Kerl,

in einer mondumsorgten Nacht,

den Fehler seines Lebens macht,

sich dem Phantom entgegenstellt,

das nicht gehört auf diese Welt,

und fordert dass es endlich schweigt,

der unerforschten Ewigkeit,

sich augenblicklich einverleibt.

 

Der Schemen blickt sehr langsam auf,

das Unglück nimmt nun seinen Lauf,

die leergeweinten Geisteraugen,

dem jungen Mann den Willen rauben,

ihn zwingen in das eisge Meer,

und ein Entkommen gibts nicht mehr.

 

Seit jener Nacht erzählt man sich,

von dieser düstren Spukgeschicht.

 

Ein Fremder war er als er kam,

und sich am Strand sein Leben nahm,

wenn Sternenglanz aufs Wasser fällt,

sein Geisterleib den Strand erhellt,

sein Angesicht vom Leiden spricht,

sein Klagen laut die Nacht zerbricht,

die Wellen dringen durch den Leib,

der Sand nicht seine Schritte zeigt.

 

Erst dann wenn alle Welt im Schlummer,

kommt er hervor mit seinem Kummer,

er langsam aus den Tiefen steigt,

das Haupt dem Monde zugeneigt,

die Hoffnung ihn aufs Neue treibt,

an diesen Strand auf Ewigkeit,

bis irgendwann die Nacht anbricht,

in der sein Mund kein Wort mehr spricht,

in der sein Herz sich offenbart,

und ihm verzeiht für seine Tat.

 

Bis dahin hüte dich mein Kind,

wenn du nachts an der Küste bist,

und siehst du dort nen weißen Schimmer,

hörst jämmerliches Schluchzgewimmer,

dann renn so schnell du kannst landein,

und lass die Furcht dein Antrieb sein,

denn wenn der blaue Prinz dich hat,

er deinen Kopf am Schopfe packt,

dich runter in das Dunkel nimmt,

und deine Seele dann verschlingt,

verschenk dein Herz erst wenn du weißt,

dass man es dir nicht doch zerreißt

 

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