Kaltes Kribbeln

Unter meiner Haut wimmelt es von Ameisen, während ich dich da so sitzen sehe. Den Kaffee schlürfst du wie immer, kratzt dich mit deiner rechten Hand im Nacken wie immer, bläst den Rauch deiner Zigarette aus dem linken Mundwinkel wie immer, doch etwas ist anders. Jemand sitzt neben dir. Jemand, der da nicht hingehört. Jemand den ich nicht kenne und den du kennst. Wie gerne würde ich nun Lippenlesen können und Gewissheit haben. Du wirst mir erzählen, dass du mit einem Freund einen Kaffee trinken warst und den restlichen Mittag mit Einkaufen verbracht hast. Wir werden zusammen im Bett liegen, uns küssen, miteinander schlafen und Arm in Arm eindösen, so als ob nichts geschehen wäre, als ob zwischen uns keine Kluft klafft.

Du spielst täglich Theater und denkst, dass ich dies nicht bemerke, glaubst deine Maskerade ist perfekt. Da hast du dich geschnitten! Ich kenne dich zu gut, kann dich lesen wie ein offenes Buch. Kenne jede deiner Gewohnheiten. Du legst seit neuestem deine Klamotten nicht mehr über den Wohnzimmersessel, wenn du von der Arbeit kommst, sondern schmeißt sie aufs Bett.

Es sind diese kleinen Zeichen, die du von dir gibst, die mir Gewissheit geben. Die Gewissheit, dass du jedes Mal eine Maske aufziehst, wenn wir zusammen sind.Wie gerne würde ich dir diese Maske vom Gesicht reißen, dich zur Rede stellen, doch meine Angst dich zu verlieren ist zu groß, weshalb mir nichts anderes übrig bleibt, als die ganze Eifersucht in mich hereinzufressen. Allmählich zerfrisst sie jedoch mich, raubt mir den Schlaf, lässt mich tagsüber ruhelos durch die Wohnung wandern und auf deinen Anruf warten. Der Anruf, der dieses elende Schauspiel ein für alle Mal beendet und mich zerreißen wird. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Egal wie es endet, ich werde in Ruinen zurückbleiben. Du bist mein Leben, mein Ein und Alles. Es ist lächerlich, das ist mir bewusst. Wie konnte ich mich nur so an dich binden, von dir abhängig werden wie von einer Droge? Hast du das geplant? Macht es dir Spaß mich langsam zu zerstören? Hast du dir schon den nächsten Typen ausgesucht, dessen Leben du ruinieren wirst? Ich traue dir mittlerweile alles zu! Ich ertappe mich dabei, wie ich beginne dich zu hassen. Lange kann ich das alles nicht mehr ertragen.

 

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