Kindermund

Zitat: „Die Bäume da sind nackig!“

Der Winter steht bevor und der Herbst hat hier bereits manche Bäume vollständig ihrer schönen Blätterkleider beraubt, was ein vierjähriger Bub heute treffend festgestellt hat.

Liebe Grüße aus Südbaden ; )

 

Bücherregal

Die großen Werke anderer,
starren mich vorwurfsvoll an,
lesebedürftig,
vom ächzenden Bücherregal aus,
winkt mir Nils Holgersson zu,
möchte mal wieder seine Reise beginnen,
der Herr der Fliegen summt vor sich hin,
und das geduldige Fleisch genießt noch die Feuerpause.

Schwer von all den Gedanken,
die es stemmen muss,
fügt sich das Holz seiner Bestimmung,
wenn geputzt, riecht es immer noch fast wie frisch gesägt,
doch meistens ruht es unter Staubkleid,
schleichende Vernachlässigung.

Wie anmaßend es im ersten Moment wirkt,
wenn ich gedankenabwesend,
oder aus Eile,
zwischen den Tod und den Krieg,
die Romantik zwänge,
weil sie dort Platz findet.

Irgendwann werde ich es aussortieren,
all das Papier,
welches ich nach Jahren noch nicht gelesen habe,
wahrscheinlich nie lesen werde,
gebe es dem Altbuchhandel hin,
schicke den Felix Krull, die Miss Sara Sampson,
die Säulen der Erde sowie den Mondpalast,
wieder in die Welt hinaus,
vielleicht auch nicht,
denn vielleicht will ich sie mal aus einer Laune heraus lesen,
mein Bücherregal stöhnt,
denn es kennt diese Prozedur.

Weltscheu

Ich will die Stille für mich haben, meine kleine, persönliche Stille, aber ich darf nicht. Immer ist da etwas, das sie mir nicht zu gönnen scheint. Wie der Kühlschrank, welcher kurz knackst und im Anschluss zu brummen beginnt, sein Programm im für mich unbegreiflichen Rhythmus abspult, oder das dumpfe Pochen der Nachbarsfersen über mir. Ich liege im Bett, die Decke dicht um mich geschlungen und nur meine Nase späht gelegentlich in die Zimmerluft hinaus.

Dies ist meine Höhle, nie mehr will ich sie verlassen müssen. Schwarzes, warmes Nichts. Wenn das Totsein so wäre, welch freudige Vorstellung. Völliges Umgebensein von endloser, endgültiger Geborgenheit. Ja, so darf das Totsein sein, so erlaube ich es ihm. Nur dieses sture Geatme bindet mich an die Realität. Immer mal wieder versuche ich dagegen anzukommen, halte die Luft an, verschließe die Höhle zur Urfinsternis; aus der ich kam, bis mein Körper mich überwältigt und ich japsend die Höhle öffnen muss. Nur einen kleinen Spalt, der Tag soll draußen bleiben.

Ich kann das Denken nicht gänzlich abschalten, aber wenigstens kommen mir nur Kleinigkeiten in den Sinn. Die aufgedunsenen Brotbrösel im Küchensieb, die frischen Triebe meiner Zimmerpflanze, die vielen braunen Ränder in der Tasse des langsam getrunkenen Kaffees auf dem Nachttisch neben mir. Ich will nicht denken, ich will nichts, ich will das Nichts, ich will die Stille für mich haben.

Moment der Sehnsucht

Ich sitze in meinem Boot,
und das Leben treibt mich dahin,
zu unbekannten Gewässern,
in launischer Veränderung,
zieht alles vorbei,
aber immer mal wieder,
schaue ich in deine Richtung zurück,
kann das Herz nicht zum Schweigen bringen,
mich nicht zum Nichtlieben zwingen.

Wie das Meer nicht weiß,
dass es tief ist,
weiß ich Treibender nicht,
ob ich dich vergessen kann,
vergessen will.

Alltagsnebel

Sorgen um Mieten, Versicherungen, Termine
treiben uns täglich, vernebeln den Blick
derweil in Fessenheim der Meiler bereits glüht
in heißer Erwartung alle kleinen Sorgen zu beenden
endlich auch einmal im Mittelpunkt zu stehen
einen Pfahl in die Zeit als sein Denkmal zu rammen

Ich blicke gen Süden
denke an diese Worte
neben mir ein Zettel:
12 Uhr Zahnarzttermin

Mobbing – Zerbrochen

Ich bringe sie alle um,
alle, alle, alle, alle sollen sie verbluten,
ersticken in ihrem Blut,
die Gesichter fragend: „Warum?“
und ich werde lachen,
über ihnen stehen und lachen und lachen und lachen,
ihr habt das Monster geweckt,
jetzt ist es zu spät.

Ihr werdet schreien: „War doch alles nur Spaß!“,
und: „Wir haben es doch nicht so gemeint!“,
wenn ihr die Klinge seht,
wenn ihr vor dem Tod steht,
God bless America,
mit seinen Pistolen, Gewehren, Granaten,
wie viel leichter es wäre,
sie alle, wirklich ALLE zu vernichten,
nicht so eine Sauerei,
ihr Schweine,
ihr werdet bluten wie Schweine,
ich werde damit die Wände bemalen,
etwas Schöneres wird es nie gegeben haben,
schärf das Messer,
los, los, los!

„War doch alles nur Spaß!“,
für euch, für mich nicht,
nein, nein, nein,
ihr habt mich in die Hölle geworfen,
doch ich kam zurück,
nahm etwas von dort mit,
ich werde nie mehr wegen euch weinen,
NIE MEHR!!!

Ich werde nur noch lachen,
der Brief ist geschrieben,
Mama, Papa, ihr wart blind,
habt nichts bemerkt,
wieso nicht, wieso nicht?
so blind, so mit euch..
hör auf, keine Zeit für solche Gedanken,
schärf das Messer,
merk dir die Gänge, die Zimmer,
morgen ist es schon soweit,
und dann werde endlich wieder ICH lachen,
lachen und lachen und lachen.

Kleine Blume

Du, kleine Blume,
gehst unter, statt auf,
ich sehe, wie die Last dich drückt,
wie du knickst,
immer mehr,
immer mehr,
doch sie merken es nicht.

Vorwärts, Marsch!
Richtung Olymp, du goldener Spross,
von Noten getrieben,
deren Klang dich nicht glücken,
von Erwartungen,
die du nie erfüllen kannst,
denn es werden stets mehr,
immer mehr,
es verglüht deine Jugend,
aus deinem Gold wird Stein.

Du, kleine Blume,
die sich nicht strecken darf,
wie es ihr beliebt,
die verkümmert und ergraut,
du möchtest Kind sein,
nicht in ihrer Welt,
du möchtest DU sein,
nicht in ihrer Welt,
was du möchtest,
interessiert sie nicht,
hat es noch nie.

Sie starren dich an,
und blicken durch dich hindurch,
sehen ihre verlorenen Träume,
die du erfüllen musst,
erwarten Dankbarkeit,
für das Hamsterrad,
das sie erbaut haben,
in dem du gefangen bist.

Wird es eine Flucht,
wird es ein Bruch,
oder wird es beides
was wirst du tun?