Mobbing – Zerbrochen

Ich bringe sie alle um,
alle, alle, alle, alle sollen sie verbluten,
ersticken in ihrem Blut,
die Gesichter fragend: „Warum?“
und ich werde lachen,
über ihnen stehen und lachen und lachen und lachen,
ihr habt das Monster geweckt,
jetzt ist es zu spät.

Ihr werdet schreien: „War doch alles nur Spaß!“,
und: „Wir haben es doch nicht so gemeint!“,
wenn ihr die Klinge seht,
wenn ihr vor dem Tod steht,
God bless America,
mit seinen Pistolen, Gewehren, Granaten,
wie viel leichter es wäre,
sie alle, wirklich ALLE zu vernichten,
nicht so eine Sauerei,
ihr Schweine,
ihr werdet bluten wie Schweine,
ich werde damit die Wände bemalen,
etwas Schöneres wird es nie gegeben haben,
schärf das Messer,
los, los, los!

„War doch alles nur Spaß!“,
für euch, für mich nicht,
nein, nein, nein,
ihr habt mich in die Hölle geworfen,
doch ich kam zurück,
nahm etwas von dort mit,
ich werde nie mehr wegen euch weinen,
NIE MEHR!!!

Ich werde nur noch lachen,
der Brief ist geschrieben,
Mama, Papa, ihr wart blind,
habt nichts bemerkt,
wieso nicht, wieso nicht?
so blind, so mit euch..
hör auf, keine Zeit für solche Gedanken,
schärf das Messer,
merk dir die Gänge, die Zimmer,
morgen ist es schon soweit,
und dann werde endlich wieder ICH lachen,
lachen und lachen und lachen.

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Dünner und dünner

In deinen einst so klaren Augen,
ein schrecklich schlimmer Wahnsinn wohnt,
sie trübt und Lügen sehen lässt,
das Glas zeigt nicht was wirklich ist,
ein falsches Sein, ein steter Wunsch,
mit Kummer an der Seele nagt,
doch deinen Lippen nichts entflieht,
wie ahnungslos wir alle sind,
die schöne Maske Unschuld zeigt,
der dunkle Abgrund bleibt versteckt.

Und in dir wütet ein Feuer,
aus loderndem Hass auf dich selbst,
es frisst dich auf, du schwindest dahin,
die Leiden hälst du für verdient,
so schuldfrei bleibt die kranke Welt,
in welcher ein junges Mädchen wie du,
sich selbst nicht mehr gefällt.

Doch irgendwann zerbricht der Schein,
und mit ihm schwindet falsches Glück,
zu lange warst du ganz allein,
nun gibt es keinen Weg zurück.

Dünner und dünner,
bist du geworden,
dünner und dünner,
mir fast weggestorben,
dünner und dünner,
ganz fremd bist du mir,
dünner und dünner,
ich bleibe bei dir.

Es fliegt die Zeit

Der Schotterpfad führte entlang der Apfelbaumplantage vom alten Mutschke den Hügel hinunter und mündete dort in den Riegenweg. Schon von zu Hause konnte Dietmar den Schein der Lichter sehen, die Musik gedämpft hören, das Popcorn riechen. Nachdem er drei Mark von seinen Großeltern erbettelt hatte, sprang er den Schotter hinab, eilte durch den Riegenweg, bis hin zu der großen Wiese, auf welcher die Zelte, die Wagen, die Tierkäfige, der Aufzug und das Karussel aufgebaut waren. Erster Stopp, der „Aufzug“. Eigentlich nur eine übergroße Fahnenstange, an der man Kinder in einen Ledergurt schnallte und an einem Seil in die Höhe zog. Aber Dietmar liebte es. Zehn Pfennig kostete eine Fahrt. Von dort oben konnte man über das gesamte Dorf blicken. Die Höhe machte Dietmar nichts aus, vielmehr war er schon seit er klein war furchtlos und elegant wie eine Katze auf Dächern, Mauern und Bäumen geklettert, woran nicht jeder im Dorf Gefallen gefunden hatte. Eggenhauer Senior, der olle Motzkopf, hatte sogar mal damit gedroht, ihn mit der Jägerflinte abzuknallen, weil er auf dessen Kamin gesessen und ein Vesperbrot verspeist hatte.

Der Zirkus besaß einen ganz eigenen Geruch. Ein Gemisch aus Popcorn, Tiermist, Sägespänen, aufgeheiztem Kunststoff und Zauberei. Veredelt wurde diese Geruchskomposition durch fröhliche Dudelmusik in Dauerschleife aus Lautsprechern und viele, viele bunt blinkende Lichter. Es war wirklich wundervoll. All die anderen Dorfkinder waren auch da und gemeinsam staunten sie über die gefährlichen Kunststücke der Akrobaten, die Dompteure, die Freakshow. Da gab es Black-Jack, den schwarzen Zwerg mit den geschärften Zähnen, Helandria die bärtige Lady und natürlich Oggo den Starken, der auf seinem Kinn eine Stange balancieren konnte, an deren Enden jeweils eine schöne Frau in einer Stoffschlaufe hing. Spannend waren auch die großen Raubkatzen. Tiger, Leoparden, Panther und Löwen. Alle eingesperrt in große, mit Stroh eingestreuten Stahlkäfige. Wenn eine von ihnen brüllte, so spürte man den mächtigen Bass tief im Körperinneren. Der Zirkus führte auch noch andere Tiere mit sich, wie etwa Elefanten, Esel, Pferde und Ziegen, aber die Raubkatzen mochte Dietmar immer am meisten. Und dann war da noch Anne. Anne gab Dietmar an diesem Abend hinter einer Schießbude den ersten Kuss seines Lebens. Kein guter Kuss, aber ein Kuss eben. Anne, die nach Zimt roch und immer leichte Sandalen trug, selbst im Winter, da ihre Familie arm war. Das alles war der Zirkus für Dietmar gewesen.

Viel veränderte sich in den kommenden Jahren. Dietmar zog aus, nach Karlsruhe, wo er eine gute Arbeitsstelle und eine günstige Wohnung fand, die er kaufte. Er traf dort Linda, trennte sich von ihr, kam wieder mit ihr zusammen. Seine Großeltern starben und Sarah und Maren wurden geboren. Die Apfelbaumplantage vom alten Mutschke trug weiterhin jedes Jahr Früchte, während aus den Kartoffelfeldern am Dorfrand ein Neubaugebiet erwuchs und Anne heiratete. Die Kirchturmglocke klang immer noch gleich, der Verkehr ganz anders.

Heute war Dietmar zu Besuch bei seinen Eltern und wurde nostalgisch, als er mit ihnen und ihrem Schäferhund Bolle durch den Ort, der sich zu einem kleinen Städtchen mit knapp 3000 Einwohnern entwickelt hatte, spazierte. Dabei kamen sie auf dem Rückweg an der ehemaligen Zirkuswiese vorbei. Da gab es aber kein Popcorn, keinen Tiermist, keine Sägespäne, keine leuchtenden Lichter und Kinderaugen, keinen Zauber mehr. Stattdessen ein großes Autohaus mit vorgelagertem, gepflastertem Ausstellungsplatz, auf dem überall Neu- und Gebrauchtwagen sauber geordnet in der Sonne rösteten.

Dietmar wusste schon länger, dass der Zirkus aufgelöst worden war. Zu wenige Zuschauer, zu teuer im Unterhalt mit all den neuen Gesetzen und Regeln, ganz zu schweigen von den zahlreichen Beschwerden und Anzeigen über die Haltungsbedingungen der Tiere. Waren es seine Kindheit oder die 70er, in denen Tierschutz und ähnliche Dinge noch kaum öffentliche Erwähnung fanden, gewesen, die dem Zirkus seinen speziellen Zauber verliehen hatten? Wohl beides irgendwie, jedenfalls war Dietmars Gefühlswelt im Taumel, als er auf das flimmernde Blechmeer blickte.

Vom Verliebtsein

Da ich bis übernächsten Mittwoch noch an einer Hausarbeit sitze und mein Kopf daher zum Platzen voll mit dementsprechenden Gedanken gefüllt ist, werde ich bis dahin einige ältere Texte wiederaufleben lassen.

Liebe Grüße, Max

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Vom Verliebtsein

Schüchtern sitzt er neben ihr am Beckenrand, lässt die Beine ins kühle, azurblaue Wasser baumeln und überlegt was er als Nächstes sagen könnte. Krampfhaft grübelt er und schaut ihr derweil zu, wie sie mit ihrer besten Freundin, die im Wasser treibt, über das letzte Wochenende quatscht. Ab und an schaut sie herüber und er lächelt, doch in Wirklichkeit gilt sein Blick den Wassertropfen die langsam in ihren Ausschnitt rinnen und das gelobte Land unter ihrem Bikini benetzen. Er hat zwar schon unzählige Male Brüste im TV, oder im Internet gesehen, dies ist jedoch etwas gänzlich anderes, denn schon alleine bei dem Gedanken an ihre Brüste wird ihm warm und es entstehen weitere Bilder in seinem Kopf. Seit zwei Wochen geht das so. Nachts liegt er wach, findet keinen Schlaf und stellt sich vor, wie sie zusammen Eis essen gehen und sie neben ihm im Bett liegt, dicht an ihn gekuschelt, nicht mehr. Seine Freunde raten ihm, sich von ihr fernzuhalten, doch für ihn gibt es keine Zweifel. Sie ist dieses eine Mädchen, für das sich alles lohnt. Jede Mühe, jedes Leid könnte man schultern, wenn man wüsste, dass SIE auf einen wartet. Er würde sie am liebsten umarmen und nicht mehr loslassen, unendlich vereint. Ihre Wärme spüren, ihren Duft genießen, dieser himmlische Duft, der jedes Parfum tausendfach aussticht.

„Hey, alles klar bei dir?“, fragt eine besorgte Stimme.

„Äh was? Ja, ja! Ich musste nur gerade an etwas denken“, antwortet er verlegen und kratzt sich am Hals. Die Schamesröte lässt nicht lange auf sich warten und die beiden Mädchen fangen an zu kichern.

„Lukas, wir gehen mal rüber in das andere Gebäude, da gibt´s son Wellenbecken. Kommst du mit?“, fragt ihre Freundin und klettert aus dem Becken. Auch ihr rinnen Wassertropfen am Körper entlang, doch ist dies lang nicht so faszinierend anzuschauen, wie bei ihr. Bei ihr ist einfach alles schöner.

Er nickt und steht auf. Sofort fangen beide Mädchen an zu lachen und zu prusten und er weiß gar nicht wie ihm geschieht. Sie besinnt sich jedoch, tritt nah an ihn heran und flüstert ihm ins Ohr: „Zieh nächstes Mal lieber nicht so eine enge Badehose an.“
Sie deutet mit ihren Augen nach unten und er folgt mit den seinen, nur um auf sein steifes Glied zu blicken, das eine schöne, große Beule in seiner Badehose geformt hat, die nicht zu übersehen ist. Schock, Panik, Angst. Er weiß nicht was er sagen soll und steht mit offenem Mund vor ihr, würde am liebsten wegrennen, sich verkriechen und nie mehr ans Tageslicht kommen. Doch sie blickt ihm in die Augen, lächelt und gibt ihm ihr Handtuch, welches sie an Beckenrand gelegt hatte. „ Du kannst es behalten. Bring es mir einfach mal vorbei, vielleicht können wir dann auch mal zu zweit etwas machen“, sagt sie und zwinkert, dann dreht sie sich um, nimmt ihre Freundin bei der Hand und beginnt mit ihr zu tuscheln. Das Handtuch ist nass, voll Wassertropfen die ihren Körper liebkosen durften und es duftet. Es duftet so herrlich.

Medienkinder

Zum Glück war es zu meiner Kindheit und Pubertät noch nicht üblich bei jeder Gelegenheit die Kamera (bzw. das I-Phone) zu zücken. Somit gibt es kein Beweismaterial für all die zahllosen Dummheiten, die ich und meine Freunde damals begangen haben. Fehltritte, die uns formten, kräftigten. (*s.u.)

Aus Launen heraus kamen wir auf idiotische Ideen, gingen Holzwege zu Ende, fielen hin, standen auf und lernten durch unser Handeln, nicht durch Belehrung. Wir schämten uns (mehr oder weniger) für das Verbrochene und behielten es für uns, teilten es nicht via Facebook oder Instagram mit irgendwelchen Menschen im Netz, die fälschlicherweise oft als „Freunde“ betitelt werden. Falsche Freunde, Statussymbole.

Vielen Kindern fehlt es an Möglichkeiten Fehler machen zu können und zu dürfen. Sie leben in einer Blase, bis die Realität sie irgendwann wie ein Güterzug überrollt. Kein Wunder, dass viele junge Menschen Probleme damit haben, sich im Leben zurechtzufinden.

Ich ertappe mich beim Jammern über die nächste Generation, obwohl ich weiß, dass ich mich genauso verhalten habe, dass auch mich eine Welle ergriffen und mitgerissen hat. Bei mir und meinen Freunden war es der Gameboy.

Videospiele liebe ich bis heute…

 

Andere Zeit, andere Sitten.

——–

 

* Wir wussten zum Beispiel, dass Bobby Cars keine Bremsen haben und stürzten uns dennoch in kindlicher Kühnheit die Hügel hinab, ließen Milchzähne an Bäumen zurück)

Die Jugend von heute

Ach, wie waren wir als Kinder

eifriger und viel geschwinder

rannten auf und rannten ab

hielten alle Welt auf Trab

 

Ach, die Jugend taugt nicht recht

wenn ich sie seh, wird mir ganz schlecht

mit Ei-Fon, Zwitter, Fratzenbuch

die Technik ist der Jugend Fluch

 

Uns Alte lassen sie links liegen

verstehen nichts vom Kinder kriegen

kein Bübchen, das mir Bilder malt

kein Mädchen, das mir´s Kleidchen zeigt

die Häuser, sie sind nicht bezahlt

der Tod sie erst von Schuld befreit

 

Das junge Volk es jammert gar

dass heut die Dinge anders sind

die Welt sei einfach sehr geschwind

und wir nicht durch das Dickicht sehn

in dem sie ihre Wege gehen

 

Wie Ikarus zur Sonne strebt

manch junger Mensch sich schnell verlebt

ist ausgebrannt mit dreißig schon

drei Jobs und stets nur Hungerlohn

die Arbeit wird zum Lebenssinn

wo führt der ganze Wahnsinn hin?

 

(Anmerkung: Der Autor zählt sich selbst zur Jugend)

 

Ins Blaue hinein

Er ist aufgeregt. Sein Herz hämmert wie ein Specht gegen seine Brust. Was soll er denn bloß sagen? Während er an ihre Tür tritt und Mut sammelt, wartet sein bester Freund bei laufendem Radio im Auto und raucht. Er weiß, dass sie zu Hause ist. Er weiß, dass sie alleine zu Hause ist. Er weiß, dass diese Nacht seine Chance ist.

Mittwochabend. Gelangweilt liegt er in seinem Bett und zappt sich durch unzählige Kanäle, in der Hoffnung auf etwas Besonderes zu stoßen, als plötzlich das Telefon klingelt. Wer könnte ihn um die Uhrzeit wohl anrufen? Misstrauisch geht er ran. Eine halbe Minute später ist er hellwach und sprintet ins Bad, um sich zu richten. Sein bester Freund hat ihn völlig überrumpelt.

Er klingelt zögerlich. Er hat Angst, dass er zu stottern beginnt, wenn sie vor ihm steht. Im Inneren geht das Licht an und Schritte sind zu hören, sowie das Geklimpere eines Schlüsselbundes. Dann öffnet sich die Tür. Bevor er ein Wort sagen kann, schenkt sie ihm eine Umarmung und begrüßt ihn freundlich. Der Duft ihrer Haare ergreift ihn wie ein Sturm.

Sie fahren dem Mond entgegen. Die Nachtluft erfüllt das Innere des Autos mit Frische. Leere Landstraßen lassen Platz zum Nachdenken. Laut schallt die Musik aus den Boxen und vertreibt die Tiere im Unterholz. Alle drei sind von einem Gefühl der Freiheit erfüllt und genießen den Augenblick, lassen sich treiben. Billiger Alkohol erhöht die Stimmung auf der Rückbank, lockert beide auf. Sie lachen, scherzen, singen zu 80ern laut mit, während die restliche Welt schläft und an ihnen vorbeizieht. Irgendwohin fahren und irgendetwas machen, das war der Plan. Bisher scheint er zu funktionieren. Ein erster liebevoller Blick trifft seine linke Wange, doch auch das Mädchen hält sich noch zurück, ist sich unsicher.

An einer Tankstelle legen sie einen Zwischenstopp ein und kaufen noch Proviant für unterwegs. Wie sie so an der Zapfsäule stehen und die Anzeigetafel beobachten, kommt ihr eine Idee, welche sie sogleich äußert und die den zwei Jungen auf Anhieb gefällt. Das Auto wird gewendet und es geht weiter. Dieses Mal mit einem Ziel vor Augen.

Wie drei Leoparden pirschen sie durch die Nacht, achten auf jedes noch so geringe Geräusch. Ihre Herzen klopfen den gleichen, schnellen Takt. Schließlich erhebt sich vor ihnen ein hoher Metallzaun, den es zu überwinden gilt. Sie zuerst.Vorsichtig zieht sie sich nach oben und wuchtet sich darüber, während das gequälte Metall bedrohlich aufstöhnt. Als sie herunterspringt, rutscht sie bei der Landung auf dem nassen Gras aus und landet recht unsanft auf ihrem Hinterteil. Alle drei versuchen sich ein Lachen zu verkneifen, was nur mäßig gelingt.

Als die anderen beiden nach einer gefühlten Ewigkeit auch auf der anderen Zaunseite angelangt sind, huschen sie geduckt weiter. Sie flüstern sich zu, halten die Augen offen. Endlich sind sie da. Still liegt das Schwimmbecken vor ihnen und genießt den Sternenschein dieser verrückten Nacht.

Sie entkleiden sich. Als sein Blick ihren Körper trifft, erstarrt er in Ehrfurcht und spürt sogleich, wie sich etwas in seiner Badehose regt. „Hoffentlich sieht sie es nicht. Bitte nicht!“, geht es ihm durch den Kopf. Ihr Anblick ist das Schönste, was er in seinem bisherigen Leben gesehen hat. Seine Augen können nicht von ihr ablassen, betrachten jeden Zentimeter. Sie ist perfekt. Wie gerne würde er sie küssen, ihr durch das lange blonde Haar fassen, ihr seine Innerstes offenbaren, doch er hat Angst. Angst vor einem Nein. Angst, dass dieser wundervolle Moment zu schnell zu Ende ist. Angst, dass er nach dieser Nacht wieder alleine in seinem Zimmer liegt und vor sich hinvegetiert. „Kommst du jetzt mit, oder willst du nur gaffen?“, ruft sie ihm leise zu, während sie bereits bis zu den Knien im kühlen Nass steht. Sanfte Wellen breiten sich über die gesamte Wasseroberfläche aus, während der bleiche Sichelmond zusieht und schweigt.

Doch die Ruhe und währt nicht lange. Gerade als sie an der anderen Seite des Beckens angelangt sind, geht vor ihnen ein Licht an.

Panisch rennen sie über die Wiese, die Kleider und Schuhe in den Händen. Dieses Mal erklimmt sein bester Freund den Zaun zuerst. Sie werfen ihm erst seine, dann ihre Sachen zu. Unten am Becken sehen sie, wie eine Taschenlampe wütend Ausschau nach ihnen hält. Ein lauter Fluch ist zu hören. Doch sie sind schneller als der Nachtwächter und schaffen es in letzter Sekunde ins Auto. Mit quietschenden Reifen fliehen sie in die Nacht.

Zehn Minuten später sind sie alle immer noch komplett außer Atem und haben ihre Badesachen an. Der Motor wird abgestellt. Die drei schauen sich kurz gegenseitig an, schweigen und prusten dann los. Was für eine dämliche Aktion. Nachdem sie ausgestiegen sind und sich angezogen haben, überlegen sie sich bei einer Zigarette, was sie mit den wenigen verbleibenden Stunden noch anstellen können.

Eine Stunde später stehen sie auf einem kleinen Hügel, der eine fantastische Sicht auf die ganze Umgebung bietet. Weinberge breiten sich unter ihnen aus, sowie Weizen- und Maisfelder und über allem liegt ein leichter Nebelhauch, der alles sanft einkleidet. Sie meint scherzhaft, dass man von hier ganz leicht in den Himmel steigen könnte, um einen Stern zu pflücken. Er sagt, dass er das gerne für sie tun würde. Sie lächelt ihn liebevoll an. Sein Freund verdreht die Augen und lässt sich dann müde ins taufrische Gras fallen. Die Fahrerrei hat Spuren hinterlassen. Die Anderen gesellen sich zu ihm.

So liegen sie auf der Wiese und schauen in den wundervollen Sternenhimmel. Eine Hand wandert in die andere. Zwei Herzen schlagen wie eines. Sein bester Freund muss schmunzeln und schließt die Augen. Mission erfolgreich.