Der Tunnel

Schon als das hohe, kurze Pfeifen an seine Ohren gedrungen war, hatte er gewusst, dass ihm Gewalt bevorstehen würde. Von beiden Seiten der Bahnschienenunterführung kamen sie auf ihn zu, hatten wohl gewartet, bis er etwa in der Mitte des Tunnels angelangt war. Acht an der Zahl, ordentliche Schränke. Nur einer stach hervor, klein und krumm, vermutlich der Anführer dieses Trupps. Er blieb stehen, sah sich um und ließ sie näherkommen, machte sich bereit. Er sah Baseballschläger, Butterflys und Schlagringe, vermutlich hatte irgendeiner von denen aber auch noch eine Knarre dabei. Die Bande plusterte sich auf, versuchte ihn mit Drohgehabe einzuschüchtern. Statt Angst empfand er jedoch Belustigung und musste sogar laut loslachen, was seine Angreifer derart irritierte, dass einige von ihnen kurz stehen blieben. Der kleine Krumme, dessen hohe Krächzstimme zu seinem Aussehen passte, bellte einen Befehl, woraufhin die Meute sich wieder in Bewegung setzte. Wer auch immer diese Schläger geschickt hatte, hatte ihnen entweder ein bedeutsames Detail ihres Auftrages vorenthalten und wollte sie loswerden, oder hatte es vergessen, oder war schlichtweg zu dumm, um zu kapieren, mit wem und was er sich da angelegt hatte. Nun war es ohnehin zu spät. Das Kommende ließ sich nicht mehr aufhalten.

Er schloss die Augen, atmete tief ein und sammelte sich. Die Typen sahen dies, hielten es für ein Zeichen von Angst, lachten, klapperten mit den Baseballschlägern hart an die Tunnelwände, was jedes Mal ein helles Klirren erzeugte, das durch den Tunnel hallte. Er drehte sich seitlich zu ihnen hin und streckte dann seine Arme gerade aus, wandte beiden Gruppen jeweils eine Handfläche zu und flüsterte, als er seine Augen öffnete: „ignem magnum facere“.
Angekündigt durch ein kurzes Leuchten, sprang dann aus seinen Händen die Hölle selbst hervor. Zwei gewaltige Feuerstrudel schossen in beide Richtungen davon und stürzten sich in unendlicher Gier auf die schreienden Männer. Alles was nach dem Inferno von ihnen übrig blieb, waren verkohlte Brocken. Es stank widerlich nach verbranntem Fleisch, die Tunnelwände waren schwarzgebrannt.
„Wer greift denn bloß einen Feuermagier in einem Tunnel an?“, dachte er und schüttelte verwundert den Kopf, während er über die schwelenden Überreste stieg. Er ging weiter, holte ein paar Brötchen beim Bäcker und freute sich auf das Frühstück. Als er die Bäckerei verließ, konnte er in der Ferne Sirenen hören.

 

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PS: Ich hoffe, dass mein Latein noch nicht komplett verrostet ist und ich die Wörter richtig flexiert habe 😀 . Falls nicht, bin ich dankbar für die korrekte Schreibweise.

Liebe Grüße,

Max

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Weltscheu

Ich will die Stille für mich haben, meine kleine, persönliche Stille, aber ich darf nicht. Immer ist da etwas, das sie mir nicht zu gönnen scheint. Wie der Kühlschrank, welcher kurz knackst und im Anschluss zu brummen beginnt, sein Programm im für mich unbegreiflichen Rhythmus abspult, oder das dumpfe Pochen der Nachbarsfersen über mir. Ich liege im Bett, die Decke dicht um mich geschlungen und nur meine Nase späht gelegentlich in die Zimmerluft hinaus.

Dies ist meine Höhle, nie mehr will ich sie verlassen müssen. Schwarzes, warmes Nichts. Wenn das Totsein so wäre, welch freudige Vorstellung. Völliges Umgebensein von endloser, endgültiger Geborgenheit. Ja, so darf das Totsein sein, so erlaube ich es ihm. Nur dieses sture Geatme bindet mich an die Realität. Immer mal wieder versuche ich dagegen anzukommen, halte die Luft an, verschließe die Höhle zur Urfinsternis; aus der ich kam, bis mein Körper mich überwältigt und ich japsend die Höhle öffnen muss. Nur einen kleinen Spalt, der Tag soll draußen bleiben.

Ich kann das Denken nicht gänzlich abschalten, aber wenigstens kommen mir nur Kleinigkeiten in den Sinn. Die aufgedunsenen Brotbrösel im Küchensieb, die frischen Triebe meiner Zimmerpflanze, die vielen braunen Ränder in der Tasse des langsam getrunkenen Kaffees auf dem Nachttisch neben mir. Ich will nicht denken, ich will nichts, ich will das Nichts, ich will die Stille für mich haben.

Moment der Sehnsucht

Ich sitze in meinem Boot,
und das Leben treibt mich dahin,
zu unbekannten Gewässern,
in launischer Veränderung,
zieht alles vorbei,
aber immer mal wieder,
schaue ich in deine Richtung zurück,
kann das Herz nicht zum Schweigen bringen,
mich nicht zum Nichtlieben zwingen.

Wie das Meer nicht weiß,
dass es tief ist,
weiß ich Treibender nicht,
ob ich dich vergessen kann,
vergessen will.

Alltagsnebel

Sorgen um Mieten, Versicherungen, Termine
treiben uns täglich, vernebeln den Blick
derweil in Fessenheim der Meiler bereits glüht
in heißer Erwartung alle kleinen Sorgen zu beenden
endlich auch einmal im Mittelpunkt zu stehen
einen Pfahl in die Zeit als sein Denkmal zu rammen

Ich blicke gen Süden
denke an diese Worte
neben mir ein Zettel:
12 Uhr Zahnarzttermin

Mobbing – Zerbrochen

Ich bringe sie alle um,
alle, alle, alle, alle sollen sie verbluten,
ersticken in ihrem Blut,
die Gesichter fragend: „Warum?“
und ich werde lachen,
über ihnen stehen und lachen und lachen und lachen,
ihr habt das Monster geweckt,
jetzt ist es zu spät.

Ihr werdet schreien: „War doch alles nur Spaß!“,
und: „Wir haben es doch nicht so gemeint!“,
wenn ihr die Klinge seht,
wenn ihr vor dem Tod steht,
God bless America,
mit seinen Pistolen, Gewehren, Granaten,
wie viel leichter es wäre,
sie alle, wirklich ALLE zu vernichten,
nicht so eine Sauerei,
ihr Schweine,
ihr werdet bluten wie Schweine,
ich werde damit die Wände bemalen,
etwas Schöneres wird es nie gegeben haben,
schärf das Messer,
los, los, los!

„War doch alles nur Spaß!“,
für euch, für mich nicht,
nein, nein, nein,
ihr habt mich in die Hölle geworfen,
doch ich kam zurück,
nahm etwas von dort mit,
ich werde nie mehr wegen euch weinen,
NIE MEHR!!!

Ich werde nur noch lachen,
der Brief ist geschrieben,
Mama, Papa, ihr wart blind,
habt nichts bemerkt,
wieso nicht, wieso nicht?
so blind, so mit euch..
hör auf, keine Zeit für solche Gedanken,
schärf das Messer,
merk dir die Gänge, die Zimmer,
morgen ist es schon soweit,
und dann werde endlich wieder ICH lachen,
lachen und lachen und lachen.

Kleine Blume

Du, kleine Blume,
gehst unter, statt auf,
ich sehe, wie die Last dich drückt,
wie du knickst,
immer mehr,
immer mehr,
doch sie merken es nicht.

Vorwärts, Marsch!
Richtung Olymp, du goldener Spross,
von Noten getrieben,
deren Klang dich nicht glücken,
von Erwartungen,
die du nie erfüllen kannst,
denn es werden stets mehr,
immer mehr,
es verglüht deine Jugend,
aus deinem Gold wird Stein.

Du, kleine Blume,
die sich nicht strecken darf,
wie es ihr beliebt,
die verkümmert und ergraut,
du möchtest Kind sein,
nicht in ihrer Welt,
du möchtest DU sein,
nicht in ihrer Welt,
was du möchtest,
interessiert sie nicht,
hat es noch nie.

Sie starren dich an,
und blicken durch dich hindurch,
sehen ihre verlorenen Träume,
die du erfüllen musst,
erwarten Dankbarkeit,
für das Hamsterrad,
das sie erbaut haben,
in dem du gefangen bist.

Wird es eine Flucht,
wird es ein Bruch,
oder wird es beides
was wirst du tun?

Wiedersehen

Ein bekanntes, schönes Gesicht,
doch wer sie ist, wie sie heißt,
nun, dies weiß ich nicht,
mehr, denn der verstrichenen Jahre sind es zu viele,
doch erinnere ich mich einiger warmer Gefühle,
einem ungeschickten, kindlichen Annäherungsversuch,
der mich mal verfolgte,
wie ein schlimmer Hexenfluch.

Die Jahre stehen ihr gut und sie ist schlanker geworden,
und wie die Pfunde,
gingen hoffentlich auch Sorgen,
nun serviert sie Kaffee,
mit viel Wärme im Blick,
und erfreut ihre Kunden,
mit ihrem Geschick.

Ich gehe vorbei,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
und ziehe es vor,
nach vorne zu blicken,
ich wünsche ihr alles Gute,
eine wunderbare Zeit,
dieser schönen Fremden,
aus der Vergangenheit.