Alltagsnebel

Sorgen um Mieten, Versicherungen, Termine
treiben uns täglich, vernebeln den Blick
derweil in Fessenheim der Meiler bereits glüht
in heißer Erwartung alle kleinen Sorgen zu beenden
endlich auch einmal im Mittelpunkt zu stehen
einen Pfahl in die Zeit als sein Denkmal zu rammen

Ich blicke gen Süden
denke an diese Worte
neben mir ein Zettel:
12 Uhr Zahnarzttermin

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Morgensorgen

Es war einmal ein junger Knabe, der hatte einen dieser vermaledeit, verflixten Tage, an denen einem gar nichts, aber auch gar nichts gelingt, man mit dem falschen Fuße aus dem Bette springt und unter der Dusche nichtmal ein Liedchen singt.

Und wenn man schon am frühen Morgen, kaum essen kann vor lauter Sorgen, dann ist die gute Laune, falls vorhanden, meist auch direkt gestorben.

Ja, wenn das Brot wie alte Pappe schmeckt und der Hund Gefahr wittert, sich vor Angst unterm Tisch versteckt, dann sollte man zurück ins Bett.

Dann steht man einfach nochmal auf und der Tag, der garstige, nimmt gleich einen andern Lauf.

Ne Stund mehr Schlaf wirkt wahrlich Wunder, hebt das Gemüt, lässt Stress zergehen, macht fade Tage runder.

Doch so leicht, ist´s leider nicht, denn sonst wär wohl der Chef verstimmt, der diesen Schlaf recht übel nimmt und dann sehr gerne recht geschwind, sich einer Kündigung besinnt.

Doch dieser gut aussehnde Mann, dem man seine Laune nicht wirklich übel nehmen kann, muss los nun, aus dem Haus und in die weite Welt hinaus.

Doch nicht zur Arbeit, nein. Lieber würd er heut hantieren, dem Meister Mutschke assistieren, doch heute lädt der Doktor ein.

Hat nen Termin beim Doktor Schramm. Denn irgendwas, das stimmt da nicht und weil er sich den Kopf zerbricht, will er´s nun wirklich wagen und den werten Doktor fragen, warum er mit dem Pullermann, nun leider nicht mehr pullern kann.

So schlendert er und blickt nicht auf, das Unglück nimmt nun seinen Lauf.

Denn aus dem Norden, den Kopf auch voller Sorgen, kam die Laura angelaufen, sollte einen Kuchen kaufen.

Das Mädel träumt, blickt gen Himmel und läuft in diesem Menschgewimmel, recht feste in den Paul hinein, man hört die beiden lautstark schrein.

Sie hielt die Münzen in der Hand, die bei dem harten Aufprall fallen, aufs sonngewärmte Pflaster knallen.

Er rafft sich auf, es tut ihm leid und hilft dem Ding im leichten Kleid. Sie blickt ihm in die Mandelaugen, die ihr sogleich den Atem rauben.

Armor´s Pfeil hat tief getroffen, dem Bacchus gleich wankt sie besoffen, fort von diesem Liebewesen, um die Münzen aufzulesen.

Was ihn zutiefst entzückte, und werden ließ recht munter, als sie sich tiefer bückte, das Mädel trug nichts drunter.

Und wie in Marmor eingehauen, so konnt er seinen Aug nicht trauen. War fasziniert, völlig gebannt, der Blick auf das gelobte Land, war für den Jüngling allerhand.

Als sie sich hob, konnt er nicht sprechen, erst diesem magisch Bann entbrechen, nachdem das Mädchen weiterging, die Münzen wieder in der Hand, der Blick dem Knaben zugewandt.

Sie konnt es kaum begreifen, musste sich die Augen kneifen, doch dieser Mann, der war real und nicht bloß Phantasie. Ja jene grünen Augen, wird sie vergessen nie.

So schenkt sie ihm, während sie geht, ein lachendes Gesicht. Er winkt ihr brav, steht weiter da und kann´s noch fassen nicht.

Als er sich endlich raffen kann, geht er geschwind zum Doktor Schramm und zeigt ihm dann sein bestes Stück, dass durch den Vorfall auf dem Weg, nach wie vor auf Halbmast steht.

Der Doktor hört sich die Geschichte an, von der man durchaus sagen kann, dass ihr gewiss der Witz nicht fehlt und wie der junge Mann erzählt, da stürmt er plötzlich mit Gewimmer, schnell aus dem leicht sterilen Zimmer.

Ein Stöhnen geht durchs ganze Haus, denn endlich dringt der Harn hinaus. Welch Erlösung! Welche Wonne! Gleich der ruhigen Abendsonne.

Der Schramm muss lachen und verschreibt, dem Jüngling gleich mehr Ruhezeit. Und was der Alte noch empfiehlt, ist etwas Gutes fürs Gemüt.

„Nimm dir ne Frau an deine Seite, such dir ne Liebe und Gescheite“, mit dem Finger mahnend spricht er´s aus und jagt den Paul zur Tür hinaus. Der Paul rennt los, zur Laura hin. Nichts andres hat der mehr im Sinn.

Er spricht nicht viel, doch reicht dies aus. Der Kuchen geht zurück ins Haus. So nimmt er sie dann an der Hand, die beiden zieht es raus aufs Land.

Ein Wandrer konnt nen Blick erhaschen, sah das Pärchen fröhlich naschen,  genüsslich auf der Wiese liegen, konnten nicht genug von kriegen.

Der Paul, der wieder lachen kann, der wurd an diesem Tag zum Mann.