Moment der Sehnsucht

Ich sitze in meinem Boot,
und das Leben treibt mich dahin,
zu unbekannten Gewässern,
in launischer Veränderung,
zieht alles vorbei,
aber immer mal wieder,
schaue ich in deine Richtung zurück,
kann das Herz nicht zum Schweigen bringen,
mich nicht zum Nichtlieben zwingen.

Wie das Meer nicht weiß,
dass es tief ist,
weiß ich Treibender nicht,
ob ich dich vergessen kann,
vergessen will.

Werbeanzeigen

Aufstehen

In dir fand ich erst nichts
und dann alles
eine Unbekannte, eine Freundin, eine Liebe
und am Ende eine Fremde
bis es überwunden war

Erhöhung aller Gefühle
hin zur Verklärung der Sinne
Unvernunft der Entscheidungen
Abstieg mit glühendem Herz
hilflos im einsamen Abyss

Die Wohnung still wie ein Grab
saß ich zu lange darin
die Trauer ist kein guter Maler
streicht mit Schwarz die Gedanken
und mit Grau alle Freude

Freunde fragten, kalt die Antworten
panzerte mich ein
machte was nötig
ließ was möglich
war das Geringste von mir

Schwerer Weg führte empor
steile Leitern, große Felsen
lagen im Weg zum Davor
als ich nichts in dir fand
eine Fremde, keine Freundin, keine Liebe

Doch es musste sein
denn ich wusste
dass das Glück nur denjenigen küsst
der das Aufstehen meistert
und nicht am Leiden zerbricht

Gemeinsam einsam

Wer liegt da neben mir?
Eine Fremde bist du geworden,
ich drehe mich weg und denke an morgen,
und schaue zur Tür.

Aufstehen, durchgehen, nicht umdrehen,
weg von all dem was mich hält,
raus in die „große, weite“ Welt,
hin zu einem Versehen.

Wer liegt da neben mir?
Eine Fremde bist du geworden,
ich drehe mich hin und denke an morgen,
und schaue zu dir.

Gelacht, geweint, gemeinsam,
wir haben viel erlebt,
dann uns im Kreis gedreht,
sind nun gemeinsam einsam.

Geht es dir ebenso?
Ich trau mich nicht zu fragen,
mich an die Folgen zu wagen,
doch werd ich so nicht froh.

 

Die Schatztruhe

Mein Herz ist eine Schatztruhe,
ich gab dir den Schlüssel dafür,
du hast ihn im Schloss abgebrochen,
und mir nichts gesagt.

Mein Herz ist eine Schatztruhe,
das Schloss geht nicht auf,
für andere versperrt,
weine ich in meinem Zimmer.

Mein Herz ist eine Schatztruhe,
wann kommt ein Schlüsseldienst,
wer ist bloß dazu fähig,
ich selbst bin es nicht.

Mein Herz ist eine Schatztruhe,
ein neues Schloss, einer neuer Schlüssel…

Wem schenke ich ihn,
wer bricht ihn nicht ab?

Von Schmerzen

In deiner Flamme ich verbrannte,

ich, der dich als Liebste nannte,

doch hat es sich dann ausgeliebt,

denn du hast nicht genug gekriegt,

gestürzt auf einen andren Prügel,

bekam ichs raus, bekam ich Flügel,

und ließ dich mit dem Kerl allein,

so unser Wir sollt nicht mehr sein.

 

„Es tut mir leid!“, hast du gesagt,

die Reue dir am Herzen nagt,

doch gibt es für mich kein Zurück,

du schwänzegeiles Hurenstück.

 

Den Schmerz ich kaum ertragen kann,

Du! Du, auf diesem fremden Mann,

ein Bild, das sich nicht löschen lässt,

selbst mit dem Schnaps, es hält sich fest,

es frisst mich auf, es macht mich krank,

die „heile Welt“, ein Traum, versank.

 

War Mann wie ein Gewittersturm,

nun kriech ich wie der ärmste Wurm.

 

War ich denn schuld? Was war der Grund?

Mein armes Herz, es ist so wund,

zurzeit ist mir noch nicht nach Reden,

ich will dir einfach nicht vergeben.

 

Kater Kamillo

Liebes Tagebuch,

so viel Geheule, so viel Gejammer. Nachdem er sich von einem Weibchen getrennt hat, ist es jedes Mal dasselbe mit meinem Herrchen. Er wird unzuverlässig, betrinkt sich andauernd, lässt sich gehen und beginnt allmählich wie eine tote Ratte zu müffeln, die man bei 30 Grad im Schatten fünf Tage lang in der Sonne hat liegen lassen. Das Haar fettig, auf dem T-Shirt Zahnpastaflecken, ja nicht einmal mehr zur Körperpflege ist er fähig. Ein wahres Elendsbild. Ihm ist in diesen Phasen alles scheißegal. Überall stinkende Geschirr- und Unratberge, einfach widerlich! Es hat den Anschein, als ob er sich in unserer Wohnung vor der Außenwelt versteckt, denn er verlässt sie nur zum Einkaufen. Ab und zu vergisst er in seiner Lethargie sogar mich zu füttern. Kaum zu glauben! Erwartet er, dass ich das einfach so stillschweigend hinnehme? Ich, der kaiserliche Kater Kamillo? Da hat er sich geschnitten!

Ich meine, was soll denn das Ganze? Verkehr mit Unbekannten ist für uns Katzen wohl so ziemlich die wunderbarste Sache, die es auf der Welt gibt. Ein herrlicher Spaß für Groß und Klein, Alt und Jung. Aber nein! Herrchen Tom hat es lieber kompliziert, bindet sich und erntet dann jedes Mal nur Drama und Tränen, wenn es wieder auseinander geht. Gegen Vernunft scheint er resistent geworden zu sein, anders kann ich mir das nicht erklären. Er steht nur auf, um wieder zu fallen. Er ist hoffnungsloser Romantiker. Der reinste Masochismus. Warum bloß tun Menschen sich freiwillig etwas so Schmerzhaftes an? Was für ein Wahnsinn!

Was ist das Geheimnis an dieser Sache, die die Menschen „Liebe“ nennen und die anscheinend ihren Verstand in den Urlaub fahren lässt? Dem werde ich unbedingt bei der nächsten Gelegenheit nachspüren müssen. Vielleicht ist es ja eine ansteckende Krankheit. So etwas wie ein Schnupfen, der von Mensch zu Mensch weitergegeben wird.

Diese Phasen von Tom sind auf Dauer einfach nicht mehr zumutbar. Würde mich diese Gedankenlosigkeit, die er an den Tag legt, nicht direkt betreffen, wäre es mir wohl egal, doch schlechtes Essen und Trinken, geschweige denn der katastrophale Zustand meiner Toilette, das geht einfach zu weit! Irgendwann reißt selbst mein nobler Geduldsfaden. Ich habe ihm daher ein duftendes Präsent in seinen Hausschuhen hinterlassen und überlege, auch noch ein Exempel an dem Sessel im Wohnzimmer zu statuieren. So lasse ich mich nicht weiter behandeln!
Ob sich wohl andere Menschen nach einer Trennung auch so verhalten? Vielleicht sollte ich mal die nette Brünette von nebenan besuchen und sie um Rat fragen. Es muss doch etwas geben, das ich tun kann. Andernfalls werde ich mir für diese Zeiten ein neues Zuhause suchen müssen. Soll er mich nur mal vermissen! Vielleicht begreift er dann endlich was es bedeutet mir dienen zu dürfen. Welches Privileg ihm da zuteilwird. Allerdings ist die Straße nichts für mein edles Fell. Soll der Pöbel dort verfilzen und sich mit den dreckigen Mäusen zufrieden geben. Das ist unter meiner reinrassigen Würde. Ich bevorzuge Dosenfutter und Bier. Letzteres erleichtert mir derzeit mein Leben, da es in rauen Mengen überall in der Wohnung herumsteht und ich mich stets daran laben kann. Es ist faszinierend. Nur ein paar Mal daran schlabbern und ein behagliches Kribbeln erfüllt mich von der Pfote bis zum Schnurrhaar. Dies hilft mir nicht gänzlich aus dem Fell zu fahren, wenn Tom mal wieder nur an sich denkt.

Gerade jetzt sitzt er in seinem Sessel, lehnt den Kopf auf seine Hand und blickt verträumt auf die Fotos seiner Verflossenen. Ein nettes Ding, das wusste wie man sich gegenüber einer Katze mit edlem Blut zu verhalten hat. Ein Katzenjammer, dass es nicht länger gehalten hat. Ich werde ihm nun gezwungenermaßen ein wenig Trost spenden müssen und mich von ihm kraulen lassen, da ich nicht beabsichtige heute hungrig ins Bett zu gehen. Menschen sind zwar naiv und leicht zu manipulieren, aber wir sind eben auf sie angewiesen, wenn wir einen gewissen Lebensstandard halten möchten. Ich muss gestehen, dass ich mich mittlerweile an Toms Anwesenheit gewöhnt habe und dass mir die gelegentlichen Streicheleinheiten sehr fehlen würden. Ist es vielleicht das, was die Menschen „Liebe“ nennen? Diese Sehnsucht nach Zuneigung? Wirklich schade, dass ich niemanden kenne, der mir klare Antworten auf all diese Fragen liefern kann.

Danke fürs Zuhören. Mit hochachtungsvollst geschnurrten Grüßen,

Kaiserlicher Kater Kamillo