Vom Leid und der Freude des Schreibens

Ich sitze jetzt über dieses weiße Etwas gebeugt und will irgendetwas erschaffen was Menschen unterhält, sie nachdenken lässt, sie fesselt und mitreißt, wie der Wind die Blätter, oder ein Zug den Pechvogel. Aber was? Hirn lass mich nicht hängen!

Ich könnte und würde mich jetzt nur allzu gern literarisch austoben, zumal ich gerade die Lust und die Zeit dazu habe, aber meine Ideen weigern sich wieder einmal, sich mir in diesem Moment zu offenbaren, wie immer wenn ich sie gerade benötige. Höhnisch lächeln sie herab und spielen Verstecken in meinem Kopf, aber kommen stets dann, als ob es perfide von ihnen so geplant war, zu den unpassendsten Momenten aus meinen Hirnwindungen wieder hervorgekrochen. Zum Beispiel in der Badewanne, wenn natürlich kein Stift und Block zur Hand sind und man lieber weiter in dieser warmen Brühe vor sich hinköchelt, als aufzustehen. Ich versuche sie mir zu merken, spreche manche Sätze zwangzigmal aus und vergesse sie dann trotzdem wieder. Meine Muße kann mich mal langsam.

Soll ich mich vielleicht mal wieder seit langer Zeit an einem Gedicht versuchen? Liebe, Syrien, Flüchtlingsproblematik, Ebola? Ne. Da bin ich gerade leider nicht in der Stimmung für. Das lassen wir dann doch mal lieber. Gedichte ohne echte Gefühle sind leer, wirken nur gekünstelt und verstellt. Wenn ich sie zu erzwingen versuche klingen sie nie wirklich nach mir. Aber wie klinge ich denn überhaupt? Was zeichnet denn meinen Schreibstil aus? Schreibe ich für mich, oder andere Menschen? Was werden wohl andere Menschen von dem den Text halten, den ich jetzt schreiben will und werde? „ Er ist zu melancholisch, zu erregt, zu hektisch, zu dramatisch, zu pathetisch, zu…“ Die Liste ist lang. Rechtmachen kann ich es ja ohnehin nicht allen, das weiß ich. Ach, es gibt so viel worüber man sich Gedanken machen kann, wenn man es will. So viel, dass das Schreiben selbst schon wieder fast in Vergessenheit gerät.

Zeit vergeht

Ich sitze frustriert auf dem Sofa, stütze den rechten Arm auf meinem Knie auf und fahre mir durchs Haar, in der Hoffnung, dass sich vielleicht hier ja eine Idee verkrochen hat, doch dieses räudige Stück Papier bleibt weiterhin weiß. Gerade, als ein kleiner Gedankenfunke kurz davor ist, sich zu einer Idee zu entzünden, reißt jemand, der jemand bin ich, ein Fenster auf und erlischt ihn. Schneidend kalte Luft, die den Arbeitsmuff des Zimmers vertreibt. Ein Hauch von Zimt, Glühwein und heißen Waffeln liegt in der Luft und meine Motivation nimmt sogleich die Beine in die Hand und marschiert konsequent zusammen mit mir aus der Tür hinaus.

Als ich die Haustür aufschließe überfällt es mich. Ich stürze mich auf Stift und Block und halte meine Gedanken in Form von Stichworten fest, presse sie in Worte und sperre sie schließlich erfolgreich in diese Zeilen, die ihnen wie Gitterstäbe erscheinen müssen, auf diesem Blatt ein, das nun ihrem Gefängnis gleicht.

Ein paar Seiten sind es dann doch geworden. Eine Kurzgeschichte über ein Pärchen, das sich auseinander gelebt hat. Tragisch, emotional und danach war ich erschöpft. Als ich anfing zu schreiben dachte ich noch, dass ich einfach mit den Worten spielen könnte, aber manche Worte haben zu viel Gewicht, um mit ihnen ein leichtes Spiel zu haben und so ist das Produkt meines Geistes das Ergebnis einer langen Reise geworden. In diesem Fall einer Reise zur Liebe hin, auch zu mir selbst wie ich anschließend bemerke. Vielleicht ist es genau das, was mich am Schreiben so fasziniert.

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