Kleine Blume

Du, kleine Blume,
gehst unter, statt auf,
ich sehe, wie die Last dich drückt,
wie du knickst,
immer mehr,
immer mehr,
doch sie merken es nicht.

Vorwärts, Marsch!
Richtung Olymp, du goldener Spross,
von Noten getrieben,
deren Klang dich nicht glücken,
von Erwartungen,
die du nie erfüllen kannst,
denn es werden stets mehr,
immer mehr,
es verglüht deine Jugend,
aus deinem Gold wird Stein.

Du, kleine Blume,
die sich nicht strecken darf,
wie es ihr beliebt,
die verkümmert und ergraut,
du möchtest Kind sein,
nicht in ihrer Welt,
du möchtest DU sein,
nicht in ihrer Welt,
was du möchtest,
interessiert sie nicht,
hat es noch nie.

Sie starren dich an,
und blicken durch dich hindurch,
sehen ihre verlorenen Träume,
die du erfüllen musst,
erwarten Dankbarkeit,
für das Hamsterrad,
das sie erbaut haben,
in dem du gefangen bist.

Wird es eine Flucht,
wird es ein Bruch,
oder wird es beides
was wirst du tun?

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Wiedersehen

Ein bekanntes, schönes Gesicht,
doch wer sie ist, wie sie heißt,
nun, dies weiß ich nicht,
mehr, denn der verstrichenen Jahre sind es zu viele,
doch erinnere ich mich einiger warmer Gefühle,
einem ungeschickten, kindlichen Annäherungsversuch,
der mich mal verfolgte,
wie ein schlimmer Hexenfluch.

Die Jahre stehen ihr gut und sie ist schlanker geworden,
und wie die Pfunde,
gingen hoffentlich auch Sorgen,
nun serviert sie Kaffee,
mit viel Wärme im Blick,
und erfreut ihre Kunden,
mit ihrem Geschick.

Ich gehe vorbei,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
und ziehe es vor,
nach vorne zu blicken,
ich wünsche ihr alles Gute,
eine wunderbare Zeit,
dieser schönen Fremden,
aus der Vergangenheit.

Dein Vermächtnis

Zwei Container, ein Leben,
nichts bleibt mehr zurück,
die Wohnung hallt einsam,
längst fern war das Glück.

In der Akte ein Haken,
das Klingelschild blank,
ein Stein ohne Blumen,
„Hier starb Unbekannt“.

Sag, war dies dein Schicksal,
du Mensch, vor mir im Boden,
hoffentlich gab es auch Gründe,
dein Leben zu loben.

Warst du ein Könner des Handwerks,
hast du Steine behauen,
in deiner Jugend verführt,
die allerheiligsten Frauen?

Sag, was war einst dein Wirken,
was war einst dein Streben,
warst du Flaschen und Drogen,
als Ausweg ergeben,
oder standest du stolz,
über all diesen Dingen,
und wolltest nur schlicht,
hier dein Ende zubringen.

Wieso blieb nur von dir,
dieser nichtige Stein,
sag, war dies so gewollt,
und verstarbst du allein?

Sehr ins Grübeln gebracht,
hat mich dein kleines Grab,
und die Frage „Was will ich?“
ganz von selbst sich ergab.

Was will ich vermachen,
was soll einst verbleiben,
viele Kinder und Enkel,
viel Lachen und Weinen?

Soll man um mich trauern,
meine Texte verehren,
nach mir Straßen benennen,
und die Jugend belehren?

Schließlich gehe ich weiter,
und du hast es geschafft,
hast mir mit deinem Ende,
was von deinem Leben vermacht.

Ja, ich danke dir Fremder,
wo auch immer du bist,
und ich hoffe von Herzen,
dass dich jemand vermisst.

Wir warten und hoffen

Werden sie das Laufen noch lernen
oder wird das Krabbeln ihr Schicksal bleiben
der Aufbruch zur Transzendenz
oder der Untergang in den Feuern
welche sie selbst erschaffen
was wird es sein
was wird es sein

Das blaue Juwel ist trüb geworden
es möchte schlafen, doch darf nicht
wird getrieben und getrieben
atmet den Rauch ein
noch ist es still

Zwei Pfade zur Zukunft
der eine bergab und bequem
der andere steigt und fordert
welchen werden sie wählen
welchen werden sie wählen

Wir formen was gut werden soll
sich selbst erlösen muss
was immer verdarb
liegt es an uns?

Wenn die letzten sterben
kommt das Ende ihrer Erinnerung
erlischt das Vermächtnis
vom großen Baum
stirbt ab der Ast

Wir warten und hoffen
auf ihren Aufstieg
dass sie uns übertreffen
ihren Platz einnehmen
denn ohne Wächter
erlischt die Flamme
und müde sind wir geworden
so müde
und wollen längst ruhen

Wir warten und hoffen

Die kleine Hummel Summelbrumm

In Anbetracht all der Herbst- und Wintergedichte, die ich in den kommenden Monaten lesen werde, bekam ich Lust dieses Frühlingsgedicht für (große) Kinder zu schreiben:

Die kleine Hummel Summelbrumm,
fliegt fröhlich in der Welt herum,
sie nascht mal hier und nascht mal da,
vom herrlich süßen Blütenklar,
genießt den warmen Sonnenschein,
das königsblaue Himmelsrein.

Sie strahlt und pfeift,
ist sehr vergnügt,
wie sehr sie doch den Frühling liebt,
der überall das Leben bringt,
aus tausend Kehlen kraftvoll singt,
mit Farben durch die Landschaft springt,
und aller Wesen Schwermut nimmt.

Die kleine Hummel Summelbrumm,
fliegt fröhlich in der Welt herum,
sie kommt an einen kleinen Teich,
in welchem schimmert Krötenlaich,
und bald schon werden erste Quappen,
nach kleinen Futterhappen schnappen.

Am Teich vorbei geht es gen Süden,
dort wo die Weiden Kätzchen kriegen,
hier möchte sie den Pollen suchen,
aus dem sie backen wird nen Kuchen,
denn heute bittet sie zu Tisch,
Marienkäfer Zwirbelzisch.

Die kleine Hummel Summelbrumm,
fliegt fröhlich in der Welt herum,
hat reichlich Pollen an den Beinen,
„Das gibt zehn Kuchen will ich meinen!“,
hört man die Brummelhummel sagen,
man sieht sie fix nach Hause jagen.

Und in der Küche geht es dann,
mit allen Beinchen fleißig ran,
aus Pollen, Milch und Mehl und Ei,
wird eine Riesenleckerei,
die Hummelbrumm mit Honig ziert,
und Blütenblättern dekoriert.

Die kleine Hummel Summelbrumm,
summt fröhlich in der Küche rum,
stellt auf den Herd nen Frühlingstee,
aus jungem Löwenzahn und Klee,
nun fehlt nur noch der werte Zisch,
am gut gedeckten Mittagstisch.

Der Zwirbelzisch kommt punktgenau,
führt mit sich seine Käferfrau,
„Na guten Tag, Frau Zwirbelzisch“,
sagt Hummelbrumm und zeigt zum Tisch,
der Pollenkuchen wird erblickt,
und beide strahlen ganz verzückt.

Die kleine Hummelbrumm,
summt fröhlich um den Tisch herum,
doch plötzlich hört sie ein Gerede,
„Was ich nicht für ein Stückchen gäbe!“,
„Ich will was von dem Honig haben!“,
„Ich würde an den Blättern nagen!“

Wer schaut denn da zur Türe rein,
und will am Kuchen sich erfreun,
nicht eins, zwei, drei, nein eine Meute,
ganz viele Wald- und Wiesenleute,
der Kuchenduft hat sie gelockt,
man hoffend vor der Türe hockt.

„Gibt es denn etwas hier zu teilen?“,
schon sieht man Hummelbrumm sich eilen,
sie holt ganz viele Teller her,
der Gäste werden es nun mehr,
für alle ist am Tische Platz,
und was dann folgt, ist ein Geschmatz.

Es wird gequatscht, man ist vergnügt,
und jedermann den Kuchen liebt,
ja Hummelbrumm, du hast es schön,
so soll das Leben weitergehen!

 

 

 

 

 

 

Aufstehen

In dir fand ich erst nichts
und dann alles
eine Unbekannte, eine Freundin, eine Liebe
und am Ende eine Fremde
bis es überwunden war

Erhöhung aller Gefühle
hin zur Verklärung der Sinne
Unvernunft der Entscheidungen
Abstieg mit glühendem Herz
hilflos im einsamen Abyss

Die Wohnung still wie ein Grab
saß ich zu lange darin
die Trauer ist kein guter Maler
streicht mit Schwarz die Gedanken
und mit Grau alle Freude

Freunde fragten, kalt die Antworten
panzerte mich ein
machte was nötig
ließ was möglich
war das Geringste von mir

Schwerer Weg führte empor
steile Leitern, große Felsen
lagen im Weg zum Davor
als ich nichts in dir fand
eine Fremde, keine Freundin, keine Liebe

Doch es musste sein
denn ich wusste
dass das Glück nur denjenigen küsst
der das Aufstehen meistert
und nicht am Leiden zerbricht