Kindermund

Zitat: „Die Bäume da sind nackig!“

Der Winter steht bevor und der Herbst hat hier bereits manche Bäume vollständig ihrer schönen Blätterkleider beraubt, was ein vierjähriger Bub heute treffend festgestellt hat.

Liebe Grüße aus Südbaden ; )

 

Hin und Her

Du bist gegangen,
doch es tut nur etwas weh,
was mich verblüfft,
es ist nur wie ein leerer Platz,
auf dem niemand sitzt,
in einem gut gefüllten Zugabteil,
bin dein Gehen,
das ständige Hin und Her,
schon so gewöhnt
dass dein Fehlen mich kaum noch verletzt.

Der Tunnel

Schon als das hohe, kurze Pfeifen an seine Ohren gedrungen war, hatte er gewusst, dass ihm Gewalt bevorstehen würde. Von beiden Seiten der Bahnschienenunterführung kamen sie auf ihn zu, hatten wohl gewartet, bis er etwa in der Mitte des Tunnels angelangt war. Acht an der Zahl, ordentliche Schränke. Nur einer stach hervor, klein und krumm, vermutlich der Anführer dieses Trupps. Er blieb stehen, sah sich um und ließ sie näherkommen, machte sich bereit. Er sah Baseballschläger, Butterflys und Schlagringe, vermutlich hatte irgendeiner von denen aber auch noch eine Knarre dabei. Die Bande plusterte sich auf, versuchte ihn mit Drohgehabe einzuschüchtern. Statt Angst empfand er jedoch Belustigung und musste sogar laut loslachen, was seine Angreifer derart irritierte, dass einige von ihnen kurz stehen blieben. Der kleine Krumme, dessen hohe Krächzstimme zu seinem Aussehen passte, bellte einen Befehl, woraufhin die Meute sich wieder in Bewegung setzte. Wer auch immer diese Schläger geschickt hatte, hatte ihnen entweder ein bedeutsames Detail ihres Auftrages vorenthalten und wollte sie loswerden, oder hatte es vergessen, oder war schlichtweg zu dumm, um zu kapieren, mit wem und was er sich da angelegt hatte. Nun war es ohnehin zu spät. Das Kommende ließ sich nicht mehr aufhalten.

Er schloss die Augen, atmete tief ein und sammelte sich. Die Typen sahen dies, hielten es für ein Zeichen von Angst, lachten, klapperten mit den Baseballschlägern hart an die Tunnelwände, was jedes Mal ein helles Klirren erzeugte, das durch den Tunnel hallte. Er drehte sich seitlich zu ihnen hin und streckte dann seine Arme gerade aus, wandte beiden Gruppen jeweils eine Handfläche zu und flüsterte, als er seine Augen öffnete: „ignem magnum facere“.
Angekündigt durch ein kurzes Leuchten, sprang dann aus seinen Händen die Hölle selbst hervor. Zwei gewaltige Feuerstrudel schossen in beide Richtungen davon und stürzten sich in unendlicher Gier auf die schreienden Männer. Alles was nach dem Inferno von ihnen übrig blieb, waren verkohlte Brocken. Es stank widerlich nach verbranntem Fleisch, die Tunnelwände waren schwarzgebrannt.
„Wer greift denn bloß einen Feuermagier in einem Tunnel an?“, dachte er und schüttelte verwundert den Kopf, während er über die schwelenden Überreste stieg. Er ging weiter, holte ein paar Brötchen beim Bäcker und freute sich auf das Frühstück. Als er die Bäckerei verließ, konnte er in der Ferne Sirenen hören.

 

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PS: Ich hoffe, dass mein Latein noch nicht komplett verrostet ist und ich die Wörter richtig flexiert habe 😀 . Falls nicht, bin ich dankbar für die korrekte Schreibweise.

Liebe Grüße,

Max

Bücherregal

Die großen Werke anderer,
starren mich vorwurfsvoll an,
lesebedürftig,
vom ächzenden Bücherregal aus,
winkt mir Nils Holgersson zu,
möchte mal wieder seine Reise beginnen,
der Herr der Fliegen summt vor sich hin,
und das geduldige Fleisch genießt noch die Feuerpause.

Schwer von all den Gedanken,
die es stemmen muss,
fügt sich das Holz seiner Bestimmung,
wenn geputzt, riecht es immer noch fast wie frisch gesägt,
doch meistens ruht es unter Staubkleid,
schleichende Vernachlässigung.

Wie anmaßend es im ersten Moment wirkt,
wenn ich gedankenabwesend,
oder aus Eile,
zwischen den Tod und den Krieg,
die Romantik zwänge,
weil sie dort Platz findet.

Irgendwann werde ich es aussortieren,
all das Papier,
welches ich nach Jahren noch nicht gelesen habe,
wahrscheinlich nie lesen werde,
gebe es dem Altbuchhandel hin,
schicke den Felix Krull, die Miss Sara Sampson,
die Säulen der Erde sowie den Mondpalast,
wieder in die Welt hinaus,
vielleicht auch nicht,
denn vielleicht will ich sie mal aus einer Laune heraus lesen,
mein Bücherregal stöhnt,
denn es kennt diese Prozedur.

Aus der Reserve gelockt

Welch eine Märchenfigur da vor mir steht,
mich ansieht, lächelt und dann vorübergeht,
mit ihrem stolzen Dasein die Sinne verdreht,
ein Blick, dein Blick und alles war zu spät,
für diesen besorgten, bedachten Chaoten,
der es stets vorzog jedes Wenn und Aber in aller Tiefe auszuloten,
sich verkapselte, versteckte vor ehrlicher Offenheit,
die leichteste Lösung als Schutz vor jeglicher Verletzlichkeit,
wie selbstverständlich hast du mich ergriffen,
mein Herz mit deinen Lippen, deinen Augen, deiner Seele an dich gerissen,
und nun sitze ich hier und sehe dir zu,
wie du im Garten wandelst in samstäglicher Ruh,
den Lavendel sanft mit deinen Fingern berührst,
das feuchtkühle Gras an deinen Fußsohlen spürst,
mich mit jeder Sekunde deiner Anwesenheit verführst.

Du siehst meine Blicke, kommst zurück und liest diese Gedanken,
du küsst mich in den Nacken, auf die Wange, auf die Lippen,
dass mir alle Sinne schwanken,
selbst jetzt, nach all den Jahren, bekomme ich noch eine Gänsehaut,
und ich weiß, unser Wir ist auf Vertrauen gebaut,
die Vorstellung dich für immer bei mir zu haben,
lässt alles Weltliche erblassen, fegt hinfort alle Klagen.

Du hast einen Träumer erschaffen, hast den Zweifler bekehrt,
mich mit Vertrauen und Geduld das Lieben gelehrt,
diese Worte sind ein Geschenk an dich, ein Dankeschön,
lies sie bitte immer wieder, lass sie dir im Herzen zergehen.